Waiblingen hat eine spannende Vergangenheit und eine ebenso interessante Gegenwart –  Eindrücke von der VVS-Tour mit dem „Wochenblatt“ in  die Hauptstadt des Rems-Murr-Kreises.

 

 

„Schauen Sie, in dem Haus da hinten habe ich als kleiner Junge gewohnt“, sagt Peter Heinrich, als er auf dem Marktplatz von Waiblingen steht. Als siebenjähriger Knirps war er hier, mitten im Stadtzentrum, zu Hause. Viele Erinnerungen kommen hoch.  Für Peter Heinrich fühlt sich der Ausflug nach Waiblingen an wie eine kurze Reise in die Vergangenheit.
Er und die anderen Teilnehmer der vierten Station der Aktion „60plus Tour“ von „Stuttgarter Wochenblatt“ und VVS sind  tief beeindruckt. Die Altstadt der Kommune im Rems-Murr-Kreis birgt viele  Geheimnisse aus der jahrhundertelangen Geschichte.

Und wer könnte die besser vermitteln als eine historische Stadtführerin. Magd Agnes, die im richtigen Leben Beate Mayer heißt, drehte das Rad der Geschichte um mehr als 700 Jahre zurück. Waiblingen wurde um 1250 zur „Stadt“, erläutert sie. Damals kam der Ort in den Herrschaftsbereich der Württemberger Grafen. Frühgeschicht­liche Funde weisen jedoch noch viel, viel weiter zurück – bis in die Steinzeit.

Die Führerin, perfekt gewandet in einfachen Kleidern, wie sie im Mittelalter die normalen Leute getragen haben, vermittelt mit viel Humor und Hintersinn der Ausflugsgruppe, wie es im Waiblingen des 13. Jahrhunderts zugegangen sein muss. An  manchen Tagen dürfte es zum Himmel gestunken haben, sagt Agnes. Wenn die Gerber am Mühlkanal ihren Geschäften nachgegangen sind, war die Luft  zum Schneiden.

Dabei schworen die Menschen im Mittelalter durchaus auf Hygiene. Der Besuch in einem Badhaus war üblich zu der Zeit, Männlein und Weiblein machten das gemeinsam. Nicht nur der Reinigung des Körpers diente das, auch zwischenmenschliche Aktivitäten seien dort an der Tagesordnung gewesen, ließ die Führerin tief blicken. So erfuhr die Gruppe allerhand über den eher beschwerlichen Alltag einer Familie im Mittelalter.

Dass sie Agnes heißt, ist übrigens kein Zufall. Prinzessin Agnes war die Frau von Friedrich I. Der Herzog von Schwaben war zu damaliger Zeit einer der mächtigsten Männer.

Und Magd Agnes führte die „Wochenblatt“-Ausflügler  an Orte, die sonst Besuchern vorenthalten bleiben. In der  Michaelskirche  durften die Senioren eine kurze Verschnaufpause einlegen. Angenehm, denn die jahrhundertealten Wände hielten die sommerliche Hitze draußen.
Magd Agnes gab  derweil einen Einblick in die Geschichte der Gemäuers aus der Spätgotik. Auch über  das Nonnenkirchle, vermutlich in derselben Zeit als Grablege entstanden, berichtete sie ebenso fachkundig wie informativ.
Die historische Tour endete auf dem  Marktplatz Waiblingens, wo das alte Rathaus steht. Bis 1875 diente es der Verwaltung als Amtssitz.
Nach einem leckeren Mittagessen alla italiano war der Nachmittag der modernen Kunst vorbehalten. Am Rande der Altstadt  steht seit 2008 die  Galerie Stihl Waiblingen. In dem von moderner Architektur geprägten Ausstellungshaus werden Arbeiten auf und aus Papier präsentiert. Seit der Eröffnung wurden mehr als 300 000 Besucher gezählt.

Der Name der Galerie würdigt eine großzügige Spende der Eva-Mayr-Stihl-Stiftung, die den Bau ermöglichte, und verweist gleichzeitig auf die Trägerin – die Stadt Waiblingen. Aktuell läuft die Sonderschau „Aufgeblüht und abgelichtet: Blumen in der Fotografie“. Eine Reminiszenz an die parallel stattfindende Remstal Gartenschau.

Seit Jahrhunderten lassen sich weltweit Künstler von floralen Motiven inspirieren. Wie sieht es da in der zeitgenössischen Fotografie aus? Die Schönheit der Blumen wird ebenso thematisiert wie ihr traditioneller Symbolgehalt, der Pflanzen innewohnt. Die ausgestellten Arbeiten, dar­unter  Namen wie Imogen Cunningham, Robert Mapplethorpe oder  Thomas Florschuetz –  dokumentieren ganz unterschiedliche Herangehensweisen. So wird das für die  Malerei charakteristische Stillleben mit modernen digitalen Mitteln verfremdet. Mehrere Blumenmotive, die übereinander montiert sind, lassen ganz andere Einblicke zu.

Tiefe Einblicke hinterließ die Schau auch  bei den Ausflüglern. Und einig waren sich alle, dass sie erneut Waiblingen besuchen wollten. Mit dem VVS geht das ja in Windeseile.

 

 

Waiblingen kompakt

Wer sich für Stadtführungen interessiert, sucht hier: www.waiblingen.de 

Hier stehen ausführliche Infos zur Galerie Stihl: www.galerie-stihl-waiblingen.de