Weil der Stadt steht ganz im Zeichen von Johannes Kepler, Johannes Brenz und weiteren Persönlichkeiten
und bietet auch  viel Platz  und Plätze für „La dolce vita“.

 

 

„Da schau her,  wird  hier Sand auf Sand gebaut?“ Der erste Eindruck, den die VVS-Gewinner und -Gewinnerinnen von Weil der Stadt haben, ist positiv. Am schönsten Tag der Woche wird auf dem Marktplatz der Weiler Sommer vorbereitet – mit einer großen Sandanlage und Liegestühlen drauf. Bis auf die Bauarbeiten ist es an diesem Vormittag im 19 000-Einwohner-Städtchen recht still. Es bleibt Zeit genug, sich die umliegenden Fachwerkhäuser, das prachtvolle Rathaus und das imposante Gebäude des Stadtmuseums anzuschauen – und ein Foto unterm Sohn der Stadt zu machen: Johannes Kepler.

„Er hatte einen schwierigen Start ins Leben“, sagt Albert Kummutat, der seit zehn Jahren Führungen im verwinkelten Geburtshaus des Astronoms macht, der für die Bewegung der Planeten um die Sonne die wissenschaftliche Basis legte. Schnell wird klar, dass Kepler eigentlich immer unter Bedingungen und geschichtlichen Ereignissen forschen musste, die man sich heute kaum noch vorstellen kann.

Er war ein gesundheitlich instabiler Junge. Der Vater war jähzornig. Die Brüder brachten nicht viel zustande. Nur  Mutter Katharina  war eine Vertrauensperson. Der schwäbische Begriff „Käpsele“ trifft auf Kepler zu hundert Prozent zu: Schon als Kind beeindruckt er durch seine Mathematikkenntnisse. Er besuchte diverse Klosterschulen.

Kummutat berichtet von den Wirren der Reformation, der Kepler anhing, und  Gegenreformationen. Alle Lebensstationen Keplers werden anschaulich beschrieben: Graz, Prag, wo er mit dem dänischen Astronom Tycho Brahe kooperierte, Linz, Ulm und  –  nachdem sein Förderer Albrecht von Wallenstein gestorben war – Regensburg, wo er verarmt starb. Seine Mutter hatte Kepler in seinem bewegten Leben von einem Hexenprozess befreien können.

Im Museum selbst findet man beispielsweise Keplers Modell des Sonnensystems, die erste Zahnradpumpe, „ohne sie könnte kein Hydraulimotor betrieben werden“, oder den Ulmer Kessel, eine Erfindung Keplers, mit der sämtliche Maße der Stadt Ulm erfasst werden konnten.

Nach dem Mittagessen im Gasthof Baum ist erneut der Marktplatz Treffpunkt. Tatsächlich ist der Sandplatz jetzt fertig. „,Sie sind scho a Rechter‘“, so zitiert Stadtführer Wendelin Benz einen Weil der Städter, als er sich ihm 1983 mit Namen vorstellte. Sein Vorname verweist auf den katho­lischen Heiligen – und der Bürger wollte damit ausdrücken, dass Benz der richtigen Konfession angehören würde. Der Ort am Rande des Schwarzwalds hat eine bemerkenswerte Geschichte: Er  war einst einer von 72 Reichsstädten und dem Kaiser unterstellt.

„Die Stadt ist von den Gerbern reich geworden“, so Benz. An der Kirche St. Peter und Paul, bei der man gerade 400-Jahr-Jubiläum der Hallenkirche gefeiert hat, zeigt er eine in den Sandstein geritzte Elle. Der Stadtführer  berichtet vom  Niederbrennen der Stadt durch die Franzosen unter dem  Tyrannen Mélac, vom Glaubenskrieg zwischen den Mönchen im Augustinerkloster und dem 1640 gegründeten Kapuzinerklösterle, das heute als Konzert- und Vortragsort  genutzt wird, erwähnt den SPD-Politiker Carlo Schmid,  den mittelalter­lichen Maler Lukas Moser und  Johannes Brenz,  den Martin Luther Württembergs. Am Ende des Tags lockt das Kepler-Eis, ganz in der Nähe des „Stadtstrands“

 

 

Hohe Beteiligung

Drei VVS-Ausflüge folgen noch. Übringens: Mehr als 1000 Leserinnen und Leser  haben sich beteiligt.