Gottvertraua isch em Herrgott seim Muschterländle scho wichtig, aber manchmol sott ma au a bissle Eigainitiative entwickla: Ein sehr frommer schwäbischer Pfarrer war zur Kur in Bad Buchau. Nach seinen Behandlungen pflegte er ausgedehnte Spaziergänge in die moorige Landschaft zu machen. Doch einmal hat er nicht aufgepasst, ist in ein Moorloch getreten und begann ganz langsam zu versinken.

Nach einigen Stoßgebeten rief er laut um Hilfe: „Oh liebr Herrgott, hilf mir ond lass mi net versinka.“ Sein Schreien wurde erhört und die Feuerwehr trat an, ihn aus seinem feuchten Gefängnis zu befreien. Doch diese Hilfe lehnte er zwei Mal brüsk ab: „Gangat wieder, mein Herrgott wird mir scho helfa“.

Doch der Pfarrer sank weiter im Moor ein. Flehend schrie ihn der Feuerwehrkommandant an: „Hochwürden, wenn Se jetzt net zugreifat, no versaufat Se em Moorloch.“ „Geh nur mein Sohn, mein Herrgott wird mir scho helfa“, sprach’s und versank vollends im Moor. Als er dann, wie es sich für so einen frommen Mann gehört, im Himmel ankommt, verlangt er sofort zum Chef vorgelassen zu werden.

Als er vor den großen Thron tritt, giftet er den Herrgott an: „I war so a frommer Mensch, han mei Leba lang nix bös doa ond älle Leut bloß g’holfa ond i han so arg an dich glaubt, lieber Gott. Warom hosch Du mi net erhört, ond mi so elendiglich versaufa lassa?“ Darauf kann der Herrgott – der ja bekanntlich auch Schwabe ist – nur sagen: „Mei Lieberle, meh wia drei Mol d’Fuierwehr schicka ka i au it!“

 

Bis näggschd Woch’

 

Ihr

Wulf Wager

 

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