Die Tage werdat donkler ond triabr, ond die traurige Sonndag standat so langsam, aber sicher vor dr Tür. En so ra Stemmong stirbt mr gern amol a bissle leichter als bei Sonnaschei. Ischd jo et so schlemm, weil mr jo scho wemmr uf d’ Welt kommt woiß, dass mr irgendwann amol stirbt. Mr woiß halt bloß et wann. Für oin selber isch des net schlemm, schließlich isch mr jo länger dot als lebendig. Aber für die Angehörige isch des scho a traurige Sach. So wie bei meira Nochbere – Sia wissat jo, des propere 150-Kilo-Prachtsweib. Derra ihr Graußvaddr isch mit Vieraneinzge (94!) en scheena Dot gstorba.

Die Dochdr von meira Nochbere hot ihr Urgroßmuddr gfrogt, wie des denn passiert sei. D’ Oma hot no ondr Träna gestanda, dass des beim ehelicha Beischlaf passiert sei, dass er mit ma seliga Lächla vrschieda isch. Die Urenkelin hot sich no saumäßig empört, dass des en ihrem Aldr schließlich au nemme arg schicklich sei. „Ach, woisch, Kend, mir hend feschtgschdellt, dass die Kirchaglocka genau des richtige, angenehme Tempo vorgebat. Nei bei Ding, raus bei Dong. Ond wenn der saubleede Eiswagen mit seinem Geklingle et vorbeigfahra wär, dät dr Uropa no läba!“ So en Dot isch scho traurig. Wenn no aber en derra Traurigkeit au no Fehler passierat, kann des entweder ärgerlich oder amüsant sei.

Oder boides. ’s kommt halt bloß auf da Standpunkt vom Betrachter a. Die Familie hot no beschlossa, dass er eig’äschert wird. Also hend se a Trauera’zeig im hiesiga Amts- ond Intelligenzblatt ufgäba mit dem Bibelspruch aus Matthäus 5: „Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden“. Wo dia A’zeig am näggschda Dag erschiena isch, hot se schier dr heilige Schlag troffa, den do isch statt „getröstet“ gstanda „geröstet“. Ond des isch bei ra Feuerbestattong scho a bissle makabr...

Des war vielleicht die sanfte Strof fir des Vrhalta von meira Nochbere. Wo die nämlich jong ond bei de Haozicha von ihre Bäsla eiglada war, hend ihre Tanta se emmer pisackt: „Du bisch die Näggschde, Du bisch die Näggschde!“ Ond viele Johr später, wo ihre Tanta emmer älder worda sen, ond die erscht gschdorba isch, hot sie die andere au pisackt ond gsait: „Du bisch die Näggschde, Du bisch die Näggschde!“.

Bis näggschd Woch'

 

 

Ihr

Wulf Wager
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