Mit der Fachtagung „Glück im Quartier – Das gesellschaftliche Miteinander in lokalen Räumen gestalten“ wird der Dialog mit Bürgern gesucht und gefragt, wie sich globale Perspektiven zum Glücklichsein auch in einer Stadtgesellschaft und – noch lokaler – in einem Quartier gestalten können.

 

 

„Wir haben zu wenig öffentliche Räume in Stuttgart“, sagt Werner Wölfle, Bürgermeister für Soziales und gesellschaftliche Integration. „Wir als Kommune sollten dafür sorgen, dass wir Bedingungen schaffen für mehr Teilhabe, Sicherheit, Gerechtigkeit – und damit einhergehend mehr Wohlbefinden und Zufriedenheit innerhalb der Bevölkerung.“

Mit der Fachtagung der Rudolf Schmid und Hermann Schmid Stiftung „Glück im Quartier – Das gesellschaftliche Miteinander in lokalen Räumen gestalten“ soll dieses Ziel erreicht werden. Hierzu wurde der Dialog mit den Stuttgarter Bürgerinnen und Bürgern gesucht und gefragt, wie sich globale Perspektiven zum Glücklichsein auch in einer Stadtgesellschaft und – noch lokaler – in einem Quartier gestalten können. Die Rudolf Schmid und Hermann Stiftung ist davon überzeugt, dass Paradigmenwechsel in einer kommunalen Gesellschaft mit der Bewusstseinsveränderung der Bürgerinnen und Bürger in ihrem jeweiligen Wohnquartier beginnen. Wer also darüber nachdenke, wie die Stadtgesellschaft der Zukunft leben kann, müsse mit der Gestaltung der Quartiere anfangen. Wenn komplexe Themen wie beispielsweise Glück und Lebensqualität des Einzelnen spür- und erlernbar werden sollen, sei es leichter, Lösungen im Lokalen zu erproben.

Wichtige Antworten zu chancengerechter Bildung, zu dem Sinn und den Werten der Arbeit, zu der Zugehörigkeit in einer Gesellschaft der Vielfalt und zu der Stadtentwicklung unter Beteiligung aller gesucht, die aus einer Quartiersperspektive betrachtet werden sollen. Ziel ist es, das gesellschaftliche Miteinander im gemeinsamen Lernen und Leben zu gestalten und zu fördern. Und worum geht es dabei ganz konkret: „Lernorte und Institutionen wie Mehrgenerationshäuser, Stadtteil- und Familienzentren zu fördern und zu schaffen, wo gemeinsame Lernprozesse sich ereignen können“, sagt Andrea Laux.

Ein Perspektivenwechsel sei hierbei angestrebt wie auch Dr. Tho Ha Vinh, Programmdirektor des Zentrums für Bruttonationalglück in Bhutan, erklärt. Er orientiert sich an der „Glücksformel“ von Bhutan: „In diesem Land sind Wachstum und Fortschritt kein Ziel, sondern ein Mittel“, so Dr. Tho Ha Vinh. „Das Ziel ist Glück und Wohlstand für alle Bürger – was eine kleine, aber radikale Verschiebung der Perspektive bedeutet. Hier in Deutschland liege in Unternehmen beispielsweise der Fokus auf Gewinnmaximierung und Wachstum.

Der Programmdirektor findet die Tagung gut, auch dass diese ein gesellschaftliches Modell anstrebt, das auf der Ebene der Stadt verwirklicht werden soll – nicht auf Bundes- oder Landesebene. „Mit diesem Projekt ist man nah an der Wirklichkeit der Menschen hier, sie können direkt mitgestalten und schnell sehen wie Entscheidungen sich auf das tägliche Zusammenleben auswirken.“ Dies werde zudem auch nachfolgenden Generationen zugute kommen.

Die Teilnehmerliste für die Fachtagung bestand dabei nicht nur aus „den üblichen Verdächtigen“, die sich für die Stadt und Stadtteile engagieren. „Rund 35 Prozent der Teilnehmer waren Privatpersonen aus Stuttgart und Umgebung, doch auch Menschen, die in Organisationen aus ganz Deutschland und in Generationenhäusern tätig sind sowie Flüchtlinge und auch Teilnehmer aus den Ministerien“, erklärt Andrea Laux, Mitglied im Landesvorstand Mütterforum. Bei der Tagung soll es nicht bleiben: „’Glück im Quartier’ ist keine einmalige Sache, sondern soll langfristig in unser städtisches Zusammenleben miteinwirken“, so Andrea Laux. „Wir sehen uns definitiv im nächsten Jahr wieder. Bis dahin werden wir die Ansätze, die in den Workshops erarbeitet wurden, in den verschiedenen Familienzentren und Generationenhäusern ausprobieren.“