Jella, die pädagogisch-therapeutische Einrichtung für Mädchen, hat kürzlich einen zweiten Standort in Zuffenhausen eröffnet – ein bundesweit einzigartiges Modell.

 

 

Sarah (Name geändert) streichelt die Australian-Shepherd-Hündin Malou und Mika, der früher ein rumänischer Straßenhund war. Die Vierbeiner gehören Heidrun Neuwirth, der Leiterin des Mädchenhauses Jella, und sind immer da. „Die Hunde finde ich klasse, und dass ich mich hier auf mich selbst konzentrieren kann“, sagt die 17-Jährige aus dem Bodenseeraum, die im vergangenen Herbst wegen ihrer Drogensucht in die „Pädagogisch-therapeutische Wohngruppe für Mädchen mit Suchtproblemen und Traumafolgestörungen“ nach Zuffenhausen gekommen ist.

„Es ist immer jemand da, mit dem ich offen reden kann“, erzählt die 18-jährige Hannah (Name geändert), die wegen familiärer Konflikte unter traumatischen Störungen leidet. Seit ein paar Wochen bietet ihr Jella den Schutz und Halt, den sie braucht, um zu sich selbst und ins Leben zu finden. Seit dem Umzug hat Jella Platz für acht Mädchen mit einer dominierenden sucht- und traumabezogenen Symptomatik, und zudem zwei Plätze für junge Frauen, die im betreuten Wohnen auf den Schritt in ein eigenständiges Leben vorbereitet werden sollen.

Da es die alten, mittlerweile grundsanierten Räume in unmittelbarer Nachbarschaft auch noch gibt, ist dort seit 1. April eine neu konzipierte traumapädagogische Mädchenwohngruppe mit sechs Plätzen untergebracht. Die Mädchenwohngruppe Jella wurde 2001 gegründet, seit 2011 ist der Landesverband für Prävention und Rehabilitation Träger der Einrichtung. Mit insgesamt 16 Plätzen an zwei Standorten stehen Heidrun Neuwirth und ihr Team besser da als jemals zuvor in der fast 20-jährigen Geschichte von Jella. Genug Platz haben sie aber immer noch nicht.

„Wir haben jedes Jahr weit über 100 Anfragen und eine lange Warteliste“, sagt die Einrichtungsleiterin. Dass sie der überwiegenden Mehrzahl von Mädchen und jungen Frauen eine Absage erteilen muss, sei bitter. „Zumal wir die einzige Einrichtung dieser Art in ganz Deutschland sind.“ Außerdem weiß Heidrun Neuwirth aus Erfahrung, wie schnell Betroffene, die nicht sofort Aufnahme finden, demotiviert sind. „Wenn ich sage, ich habe in einem halben Jahr einen Platz frei, dann kommen sie nicht mehr.“ Ein zeitliches Limit für den Aufenthalt gibt es nicht.

„Im Schnitt dauert die Therapie ein Jahr, dann sind alle Module durchlaufen“, erklärt Christiane Dietsch, Sozialpädagogin und Therapeutin sowie Teamleiterin bei Jella. Eine der Prinzipien von Jella ist die Freiwilligkeit. Alle Mädchen und jungen Frauen sind aus freien Stücken hier. Nur die Teilnahme an den Therapieangeboten, in der Gruppe oder allein, sind Pflicht. „Die Mädchen brauchen erst einmal Struktur“, sagt Christiane Dietsch. Wie hilfreich die Therapie ist, zeigt sich nicht immer sofort. Vor einiger Zeit habe sich ein Mädchen wieder gemeldet, das vor Jahren einen recht unrühmlichen Abgang aus der Einrichtung hatte, erzählt die Teamleiterin.

„Sie sagte, sie habe hier trotzdem ein Stück Boden gefunden, auf dem sie aufbauen konnte.“ Festen Boden unter den Füßen sollen Sarah und Hannah auch bald wieder spüren. Sarah, deren schulische Laufbahn arg unter den Drogen gelitten hat, will den Hauptschulabschluss machen, Hannah plant im nächsten Jahr ihr Abitur zu schreiben – und beide wollen nach ihrer Zeit im Mädchenhaus in die benachbarte Wohngruppe von Jella ziehen. „Voraussetzung dafür ist Zuverlässigkeit“, sagt Christiane Dietsch.

 

 

Über Jella

Jella ist ein Projekt des Baden-Württembergischen Landesverbands für Prävention und Rehabilitation gGmbH. Alle stationären Angebote von Jella richten sich gezielt von Frauen an Mädchen in einem geschützten Rahmen.