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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 22.07.2010

Kleine Wunder in Athen

Ein Hoch auf die Langsamkeit

Endlich wissen wir, wie es zur griechischen Krise kommen konnte
 

Der griechische Wahldeutsche Filippos Tsitos ("My Sweet Home") muss etwas geahnt haben, als er diesen Film plante - die griechische Finanzkrise brach nĂ€mlich erst aus, als er mitten in der Produktion steckte. Nun erklĂ€rt er mit seinem Film im Nachhinein sehr schlĂŒssig, wie es dazu kommen konnte.

Wer Stavros und seine Nachbarn sieht, die den lieben langen Tag vor ihren heruntergekommenen LĂ€den an einer Athener Kreuzung herumlungern, wundert sich nicht mehr - außer vielleicht, dass in Griechenland ĂŒberhaupt irgendwas funktioniert. Sie witzeln ĂŒber die sich stetig vermehrenden Chinesen, die emsig einen Laden renovieren, sie schauen Fußball und kicken selbst, nachdem sie die Dauerbaustelle fĂŒr ein Denkmal in der Platzmitte beiseite gerĂ€umt haben. Vor allem aber lĂ€stern sie ĂŒber ihren Lieblingsfeind, die Albaner; bis ein solcher sich in Stavros" Leben einschleicht, als seine halbdemente Mutter einen verlorenen Sohn zu erkennen glaubt und eine ungeahnte familiĂ€re Vergangenheit ans Licht kommt.

Tsitos zelebriert eine lakonische Langsamkeit, wie man sie von Jim Jarmusch und Aki KaurismĂ€ki kennt. Die freundschaftlichen Kabbeleien unter griechischen Verlierern erzĂ€hlt er nuancenreich, in feinen Bemerkungen und Gesten. Auch wie Stavros regelmĂ€ĂŸig seine lĂ€ngst neu liierte Ex-Frau herausklingelt, weil er sonst mit niemandem ĂŒber GefĂŒhle sprechen kann, ist sauber und mit vielen Zwischentönen inszeniert.

Eines allerdings fehlt: eine Haupthandlung. WÀhrend sich alles um Stavros, seine Freunde und seine Krise dreht, passiert so gut wie gar nichts. Auch wenn es Tsitos genau darum gegangen sein mag - man hÀtte doch gern gesehen, wie seine Athener Freaks reagieren, wenn sie ein bisschen auf Trab gebracht werden.
 

Bernd Haasis

22.07.2010 - aktualisiert: 22.07.2010 11:29 Uhr

 


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