Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 22.07.2010
Knight and Day
Geplänkel und Geballer
Eine Agentenromanze mit Figuren, die gerne 25 wären
James Mangold (46) hat sich einen Ruf erarbeitet: In "Walk the Line" (2005) würdigte er mit Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon den großen Johnny Cash und seine Frau June in einem großen Melodram, und im Spätwestern-Remake "3:10 to Yuma" (2007) mit Russell Crowe und Christian Bale gelang es ihm, dem eigentlich abgeschlossenen Genre erstaunliche emotionale Feinheiten und beinharte Zuspitzungen abzuringen.
Mit "Knight and Day" ist er nun an Grenzen gestoßen. Erstens konnte er sich nicht entscheiden zwischen einer komödiantisch-jugendlichen Agenten-Thriller-Parodie und einer romantischen Erwachsenenkomödie, und so ist der Film beides nur halb und wird keiner Zielgruppe gerecht: Den einen dürfte zu viel Beziehung diskutiert werden, den anderen zu viel geballert und getötet.
Zweitens hat Mangold seine Hauptdarsteller nicht in den Griff bekommen, was vor allem daran liegt, dass ihre Figuren sich benehmen wie sorglose 25-Jährige, wo sie viel mehr zu bieten hätten. Tom Cruise (48) als wildgewordener Superagent auf der Flucht könnte problemlos auf eleganter Cocktailtrinker machen, Connery, Moore und Brosnan waren bei ihren letzten Bond-Einsätzen auch um die 50; doch er braucht offenbar die körperliche Selbstbestätigung beim Rennen, Schießen und Motorradfahren, was schon bei "Mission: Impossible 3" (2006) gerade noch so funktionierte. Und Cameron Diaz (37) als verpeilte Autowerkstattbesitzerin, die durch den Agenten in ein albtraumhaftes Chaos gestürzt wird, erinnert an Goldie Hawn, die das Unterhaltungsfach nie verlassen hat und bis ins reife Alter das ewig kreischende Mädchen gab.
Die beiden hangeln sich durch brenzlige Situationen und Verfolgungsjagden, besuchen - Bond lässt grüßen - illustre Schauplätze, plänkeln sich in eine Amour fou, und sie lernt als gute Amerikanerin, wie man Bösewichte abknallt und dass das völlig in Ordnung ist. Wer in dieser Liste nichts vermisst, mag sich dabei gut unterhalten fühlen.
Bernd Haasis
22.07.2010 - aktualisiert: 22.07.2010 11:30 Uhr