Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 30.07.2010
Das Konzert
Ganz Paris ist ein Theater
Eine Orchesterkomödie, die von skurrilen Facetten französisch-russischer Freundschaft lebt
"Man muss fordernd sein und zickig. Das wirkt solide", sagt Ivan Gavrilov. Der Mann weiß, wovon er spricht, denn er ist Manager und hat gerade - fordernd und zickig - dem Pariser Théatre du Chatelet ein Gastspiel des Bolschoi-Orchesters verkauft. Was folgt, hat der gewiefte Apparatschik allerdings nicht in der Hand, denn die Musiker, die unter dem Namen des renommierten Klangkörpers auftreten wollen, sind schon vor Jahren entlassen worden, vor allem aus politischen Gründen. Jetzt arbeiten sie als Taxifahrer, Schwarzmarkthändler, Straßenmusiker, Möbelpacker.
Dirigent Andrej (Alexei Guskov), jetzt frustrierter Putzmann am Theater, fordert vom Schicksal Wiedergutmachung - und sucht mit Hilfe seines Freundes Sacha (Dmitri Nazarov) aus allen Ecken Moskaus die merkwürdigen Gestalten zusammen, die früher gefeierte Solisten waren. Der Coup gelingt, und am Ende finden über Tschaikowskys Violinkonzert nicht nur viele Menschen zu neuem Glück, sondern entdeckt auch die junge französische Geigensolistin Anne-Marie Jacquet (Mélanie Laurent) einen verschütteten Teil ihrer Vergangenheit wieder.
Dabei mündet zwar das turbulente Spiel mit dem Zusammenprall zwischen zwei Kulturen in ein ziemlich sentimentales Finale, doch in der Summe hält Radu Mihaileanus Komödie auch durch überzeugende Leistungen der Schauspieler sehr fein die Balance zwischen Witz und Herzschmerz. Nach gut zwei Stunden hat man viel gelacht und am Ende ein bisschen geweint - ein schöner Sommerfilm.
Susanne Benda
30.07.2010 - aktualisiert: 30.07.2010 09:59 Uhr