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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 30.07.2010

Renn, wenn du kannst

Respektlosigkeit als Lebensmotto

Ben schikaniert seine Zivis, verachtet seine Mutter und reiht einen zynischen Spruch an den nächsten - da ist mehr als nur das Gefesseltsein an den Rollstuhl, das spürt sein neuer, gegen Provokationen immuner Zivi Christian wie auch die planlose Cello-Studentin Annika, die zwischen beide gerät.

Eine Dreiecksgeschichte voller brillanter Einfälle hat Dietrich Brüggemann sich ausgedacht, und dass sie wirkt, verdankt er vor allem Robert Gwisdek, dem Sohn von Coriann Harfouch und Michael Gwisdek. Nicht eine Sekunde zweifelt man daran, einen Teilgelähmten vor sich zu haben, da sitzt jede Geste, jedes Herumwuchten des Unterkörpers. In kleinen Regungen und feiner Mimik arbeitet er den Witz der Dialoge heraus und auch die unverhofften Gefühlsregungen, die Annika bei ihm hervorruft. Brüggemanns Schwester Anna bleibt als Gefühlsbündel eher vage und wenig greifbar, Jacob Matschenz müht sich im Zwiespalt einer Figur, die an ihrer Unbeholfenheit scheitert.

Das mit Witz unterfütterte Drama nimmt die Härten von Bens Situation ernst, gleitet dabei aber nie in Betroffenheit ab, was wohl deshalb so gut funktioniert, weil die Hauptfigur selbst die Respektlosigkeit zum Lebensmotto erhoben hat. So ist Brüggemann eine sympathische kleine Tragikomödie über die Ungewissheiten des Heranwachsens gelungen, mit der er sich nachhaltig bei Produzenten und TV-Sendern empfohlen hat.
 

Bernd Haasis

30.07.2010 - aktualisiert: 30.07.2010 10:01 Uhr

 


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