Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 09.09.2010
Verlobung auf Umwegen
Mit High Heels in den Kuhdung
Eine irisch-amerikanische Romanze mit funktionierenden Klischees
Was tun, wenn der sehnlich erwartete Heiratsantrag zum wiederholten Male ausbleibt? Anna weiß sich zu helfen: Sie nimmt die Sache selber in die Hand. Hals über Kopf reist die junge Innendekorateurin ihrem auserkorenen Verlobten von Boston nach Dublin nach, um ihm dort während einer Konferenz nach alter irischer Familientradition selbst einen Antrag zu machen. Doch schlechtes Wetter torpediert ihren schönen Plan. So landet Anna schließlich in einem winzigen irischen Dorf. Dort überredet sie den Pubbesitzer, sie mit dem Auto nach Dublin zu bringen. Eine schwierige Reise beginnt, zumal sich die beiden absolut nicht leiden können.
Dass sich die unbeholfene Großstädterin und der urwüchsige Naturbursche am Ende des Films ineinander verliebt haben werden, dürfte niemanden überraschen. Auch die kleinen Episoden ihrer beschwerlichen Reise sind nicht ganz neu, sondern gehorchen den Gesetzen altbekannter Filmklischees. Wenn Anna mit ihren hochhackigen Schuhen zielsicher in irischen Kuhdung stapft, dann ist dies ebenso der Erwartungshaltung des Publikums geschuldet wie die unfreiwillige Nacht im Doppelbett im Hause eines streng moralischen alten Ehe-paares. Doch eingebettet in die wild-romantische Landschaft Irlands (Kamera: Newton Thomas Sigel), stören derlei Stereotypen überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil: Sie machen einen romantischen Kinoabend erst möglich.
Wolfram Hannemann
09.09.2010 - aktualisiert: 09.09.2010 10:29 Uhr