Ende 2010 war die Rangfolge eindeutig: Die auslaufende A6-Generation musste die im Vorjahr erneuerten Konkurrenten Mercedes E-Klasse und BMW 5er in der Zulassungsstatistik ziehen lassen. Mit beiden liefert sich der Audi seit Jahren einen harten Dreikampf und hatte dabei 2008 sogar die Spitzenposition eingenommen. Nun soll ein rundum erneuerter A6 die Wettbewerbskarten neu mischen – ein spektakulärer Trumpf war auf der Pressevorstellung auf den ersten Blick indes nicht zu erblicken. Der A6 Hybrid wurde lediglich angekündigt, "zu einem späteren Zeitpunkt".
Bei den Motoren setzt sich die Weiterentwicklung fort. Weil in Deutschland vier von fünf A6 mit Dieselmotor verkauft werden, legt Audi den Schwerpunkt auf die Selbstzünder. Der überarbeitete Zweiliter-TDI mit 130 kW (177 PS) lässt in Sachen Fahrleistungen kaum Wünsche offen, fährt bis zu 228 km/h schnell und ist in 8,7 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Er glänzt zudem mit einem Normverbrauch von 4,9 Liter Diesel und unterbietet die in einigen Ländern steuerlich wichtige CO2-Grenze von 130 Gramm.
Wer mehr möchte und gern sechs Zylinder unter der Haube hat, dem bietet Audi den 3.0 TDI in zwei Leistungsstufen mit 150 kW (204 PS) und 180 kW (245 PS) an. Auch hier ufern die Verbrauchswerte (5,2 und 6,0 Liter Dieselkraftstoff) keineswegs aus. Bei den Benzinern wird für den 2.8 FSI mit 150 kW (208 PS) eine Verbrauchsminderung von zwölf Prozent gegenüber dem zehn kW schwächeren Vorgänger genannt. Ähnlich sehen die Verfeinerungen beim 3.0 TFSI mit 220 kW (300 PS) aus, in dem trotz des großen T wie Turbo in der Typenbezeichnung ein Kompressor der Aufladung dient. Alle Motorisierungen werden mit Start-Stopp-Automatik ausgeliefert, Bremsenergie fließt in die Batterie.
Rund die Hälfte aller A6 wird mit Quattro-Allradantrieb verkauft, den Audi so ausgelegt hat, dass man sozusagen in einem milden Hecktriebler unterwegs ist: 60 Prozent der Kraft werden nach hinten und 40 Prozent nach vorn geleitet. Das sichere Vorankommen bei allen Straßenverhältnissen muss den Käufern mindestens 2750 Euro Aufpreis wert sein. Ansonsten zeichnet sich das neue Modell dadurch aus, dass als Extras alle möglichen Fahrhilfen und elektronischen Sicherheitseinrichtungen wie in der Luxusklasse à la A8 zu haben sind. Auf ersten Testfahrten zeigte sich: Der neue A6 ist leiser denn je und auch komfortabler als zuvor. Auf Knopfdruck lassen sich die Stoßdämpfer verstellen, wenn man eine gewisse Härte mag. Mit seinem Grundpreis von 38500 Euro unterbietet der A6 seine Wettbewerber aus Stuttgart und München, wobei das Geld heutzutage mit den zahlreichen Extras verdient wird.
Das Auto
Audi A6 2.0 TDI
Die Fakten Motor 2,0-Liter-Diesel Leistung 130 kW (177 PS ) bei 4200 U/min Maximales Drehmoment 380 Nm bei 1750–2500 U/min Getriebe 6-Gang-Schaltgetriebe Beschleunigung 0 bis 100 km/h 8,7 s Höchstgeschwindigkeit 228 km/h Abmessungen 4915 mm x 1874 mm x 1445 mm Leergewicht 1650 kg Zuladung 505 kg Zulässiges Gesamtgewicht 2155 kg Anhängelast 1600 kg (12 %, gebremst) Sitzplätze 5 Kofferraum 530 l Tankinhalt 65 l Reifengröße 225/60 R16 Normverbrauch 4,9 l Diesel CO2-Ausstoß 129 g/km Abgasnorm Euro 5 Grundpreis 38500 Euro
Lob und Tadel Die Audi-Konstrukteure haben ein Auto auf die Räder gestellt, das als 2.0 TDI trotz 1650 Kilogramm Leergewicht nach der Norm mit weniger als fünf Liter Dieselkraftstoff auf 100 Kilometern auskommt. Der neue A6 ist nicht größer, sondern sogar geringfügig kürzer und niedriger als der Vorgänger geworden. Die eigenständige Gestaltung der Heckpartie führt zu einem gewissen Wiedererkennungswert dieses Typs. Die Limousine bleibt wie bisher in Länge und Breite ein Schiff, mit dem einem das Parken in engen Innenstädten und Tiefgaragen nicht leicht gemacht wird. Mit der markentypischen Gestaltung der Bugpartie ist eine Verwechslungsgefahr im Rückspiegel mit anderen Modellen von Audi gegeben.