Der Stil: Wie bei Oma im Wohnzimmer. Gut, wie bei einer sehr trendbewussten Oma. Hinter weiten Glasfronten lümmeln die Gäste auf üppigen Sitzgarnituren und fläzen sich auf dutzenden Kissen in eine bequeme Liegeposition. Wer diese 1- A-Plätze ergattern will, sollte nachmittags oder am frühen Abend kommen, sonst muss man sich mit gewöhnlichen Sitzgelegenheiten begnügen. Im Laden reflektieren Discokugeln Licht in popbunten Farben: Spätestens nach zwei alkoholhaltigen Getränken sorgt die Kombination aus Knautschkissen und Lichteffekten für bewusstseinserweiternde Geisteszustände. Dazu passt die Musik: Elektronische Klänge sorgen für angenehmes Hintergrundrauschen. Am Wochenende legen DJs auch Abseitigeres auf.
Die Drinks: Die Getränkekarte offenbart wenig Außergewöhnliches. Wenn man davon absieht, dass sie sich an der Unterseite eines steinzeitlich anmutenden Wahlscheibentelefons befindet. Auf Anfrage mixt das Personal die Spezialität des Hauses, den "Dreier". Dabei fließen Bier, Absinth und Grenadine in ein Whiskyglas. Von dieser Kombination müssen jeweils drei Getränke geordert werden zum Gesamtpreis von neun Euro. Unser Verbraucherhinweis: angesichts des Alkoholgehalts ist vom alleinigen Konsum aller drei Gläser abzuraten. Wer zu viel trinkt, kann in den Kissen sanft entschlummern. Nach Auskunft des Betreibers kommt dies öfters vor.
Der Weg: Die Conditorei befindet sich in der Firnhaberstraße an der Ecke zur Lange Straße. Wer die stressige Parkplatzsuche vermeiden will, fährt mit den Stadtbahnlinien U 2, U 4 oder U 14 bis zur Haltestelle Berliner Platz/Hohe Straße. Dort befindet sich auch das Kino Atelier am Bollwerk - vom Kino bis zur Bar sind es zu Fuß nur knapp fünf Minuten. In unmittelbarer Nähe liegt die Theodor-Heuss-Straße, wo sich eine Bar an die nächste reiht.
Das Publikum: Viele, die sich abends in der oft proppenvollen Conditorei drängeln, wollen "dazugehören". Den Nasenrücken mancher Herren beschweren 70er-Jahre-Hornbrillen, die Frauen legen sichtbar Wert auf ihre Optik. Wer den Trend sucht, kann ihn hier vielleicht finden. Der Betreiber lässt verlauten, dass oft überdurchschnittlich viele Frauen kommen, "vielleicht, weil das ein sehr farbenfroher Laden ist".
Der Macher: Heißt Wolfgang Schubert. Der 34-Jährige hat zuvor gemodelt und sich mit Schauspielerei versucht. "Die künstlerische Szene in Stuttgart ist ziemlich arm", sagt der Mann, der mit der Conditorei ein wenig "Kaffeehauskultur" in die Stadt bringen will. Schubert sorgt mit spontanen Aktionen dafür, dass es seinen Gästen nicht fad wird: Mal blasen Didgeridoospieler bei ihm ins Horn, an anderen Tagen feiern Bands ihre neuen Alben in seinen Räumlichkeiten.
Die Preise: Bewegen sich bei den Drinks im Vergleich zu anderen Bars eher im unteren Drittel: Tafelwasser 2 Euro, Kaffee 1,50 Euro, Bier 3 Euro, Caipirinha 6 Euro, Dreier 9 Euro, Mojito 6 Euro.
Erik Raidt, Stuttgarter Zeitung vom 04.03.2003
Tel.
Fax
Tickets:
Tel.
Öffnungszeiten
Montag bis Donnerstag
10:00 -1:00 Uhr
Freitag, Samstag
10:00 - 2:00 Uhr
Sonntag
10:00 - 18:00 Uhr
Alle Angaben ohne Gewähr
(insbesondere bei Öffnungszeiten)
04.03.2003 - aktualisiert: 04.12.2007 12:44 Uhr