Bei Erika und Karl Wöhrwag ist der Rostbraten der Renner bei den Gästen.
Besen-Gäste schätzen schlichte, herzhafte Kost - und der Wein beflügelt
Der Zwiebelrostbraten ist bis heute der Renner auf der Speisekarte im Wöhrwag-Besen in Obertürkheim. Vor Jahren hat die Familie erkämpft, dass das saftige Stück Fleisch in Besenwirtschaften zubereitet werden darf. Im nicht weit entfernten Sonnen-Besen schätzen die Gäste das breite Angebot, das Familie Zaiß dank ihrer Vollkonzession machen kann. Diese beiden Besenwirtschaften sind heute in unserer Besenserie an der Reihe.
OBERTÜRKHEIM - Die Lage ist herrlich: Hinterm Weingut Wöhrwag klettern die Reben den steilen Hang hinauf. 1994 ist die Familie aus der Obertürkheimer Ortsmitte an den Fuß ihrer eigenen Weinberge ausgesiedelt. Die S-Bahn ist trotzdem nur ein paar Minuten entfernt und viele Gäste kommen am liebsten mit öffentlichen Verkehrsmitteln, weiß Junior Christian Wöhrwag. Das Geschäft laufe eigentlich ab der Öffnung um elf "toujours durch", sagt er, mehr als einzelne Stühle seien selten frei.
Die Besen-Serie (Teil 2)
Die eintreffenden Gäste bestätigen das: "Schön, heute kriegen wir ja sogar einen Platz!" ruft ein Ehepaar beim Hereinkommen aus. Spezialität des Hauses ist der Rostbraten. "Da waren wir die ersten, die das 1984 gemacht haben", sagt Wöhrwag. Eisern gekämpft hat die Familie dafür, denn laut Gesetz dürfen Besen nur einfache Speisen zubereiten. Wöhrwags bewiesen, dass sie den Rostbraten "schneller als eine Rote" fertig haben. Im gusseisernen, 300 Grad heißen Kontaktgrill funktioniert das tatsächlich, wie Erika Wöhrwag vorführt. Bei der Hitze "gehen die Poren gleich zu", sagt sie, häuft braun geröstete Zwiebeln auf das saftige Stück Fleisch und gibt Soße drauf.
Überm Herd hängen gehäkelte Topflappen: "Die haben wir von einer Kundin gekriegt." Zu trinken gibt es einen Roten, einen Weißen und einen Rosé aus dem Fass, daneben die Flaschenweine samt Sekt, die noch zu kaufen sind - gegen Ende wird der Weinkeller immer ziemlich leer. Das Publikum gehe "querbeet" durch die ganze Gesellschaft, sagt Christian Wöhrwag: "Alles, was laufen kannÖ", wobei der Wein ja durchaus beflügelt. Einmal habe ein Gast tatsächlich seine Krücken vergessen, erinnert sich der Junior-Chef. Ein paar Viertele wirken halt besser als jede Arznei.
Ausnahme für den Sonnen-Besen Für den Sonnen-Besen in der Uhlbacher Straße gelten die für Besen vorgeschriebenen Beschränkung nicht: Familie Zaiß hat eine Vollkonzession nach dem Gaststättengesetz. Anders als ein reiner "Besen" darf sie also länger als 16 Wochen im Jahr öffnen, mehr als 40 Plätze anbieten und etwas aufwändiger Kochen. 2002 hat die Familie gebaut und "da war klar: Wenn man was neu macht, fängt man nicht mit 40 Plätzen an", sagt Gerlinde Zaiß. Trotzdem orientiert sich die Familie eng am "Besen im alten Stil" und hält sich an die übliche Saison. Die Speisekarte ist zwar umfangreich und reicht vom Salat mit Putenstreifen bis zum Tafelspitz.
Aber, sagt Gerlinde Zaiß, "wir kochen ganz schlicht und einfach, nach alter Art - das ist genau das, was die Gäste suchen. Keine abgedrehten Sachen, aber gute Produkte." Hefezopf, Bratkartoffeln und Kartoffelsalat wie "einst von der Oma im großen Wännle gemacht" sind beliebt. Die Maultaschen und die Sülze kommen vom Hasenwirt in Uhlbach und wer mal wieder Kutteln essen will, ist hier auch richtig. Zum Fasswein und den Flaschenweinen - 14 sind es dieses Jahr - kommt noch eigener, handgerüttelter Sekt dazu. "Den machen wir seit über 20 Jahren, das ist ein Faible meines Mannes", erzählt Gerlinde Zaiß.
Der Sonnen-Besen, dessen Namen ausdrücken soll, "dass hier die Sonne scheint und man fröhlich ist", ist zwar ein Neubau, aber alte Steine aus dem Gewölbekeller sind in einem Bogen und einem Stück Wand eingemauert. Sie transportieren ein Stück Ursprünglichkeit, genau wie die teilweise alten Tische und Stühle. Neben den vielen treuen Gästen kann die Familie auch auf ein zuverlässiges Helferteam von rund 20 Leuten zurückgreifen. Das eingeschworene Frauen-Team ist Gold wert, weiß die Chefin - zumal die Männer jetzt schon wieder raus ins Gelände zum Rebenschneiden und Neuanlegen der Weinberge müssen.