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Absage kommt nicht infrage

Counter-Strike- und Warcraft-Fans freuen sich auf den 27. März. Zu Recht?
 

Die "Bundesweite Liga für Computerspiele" gastiert am 27. März in der Liederhalle. Je zwei Spieler spielen in der Disziplin Warcraft 3 sowie zwei Mannschaften in Counter-Strike 1.6 und "Counter-Strike: Source" live vor Publikum. Sollte man die Veranstaltung aufgrund des Amoklaufs in Winnenden absagen? Wir haben uns mit Ibrahim Mazari, Director Public Relations und Jugendschutzbeauftragter bei Turtle Entertainment, dem Veranstalter der Electronic Sports League ESL unterhalten.
 

STW: Auf der Tour wird Counterstrike und Warcraft gespielt. Zwei umstrittene Spiele. Was entgegnen Sie Kritikern, die sich für ein totales Verbot dieser Spiele einsetzen?

Ibrahim Mazari: Counter-Strike gehört seit zehn Jahren zu den beliebtesten Spielen der Welt, es ist die moderne Version des Räuber-und-Gendarm-Spieles. In Deutschland ist es ab 16 Jahren frei gegeben, Blut ist in dieser Version gar nicht zu sehen. Es geht um Spieltaktik und strategisches Denken, ein bisschen wie auch beim Schach. Man sollte es sich ansehen, bevor man nach einem Verbot ruft. Mit Verboten konnten neue Medienformen zudem noch nie wirksam bekämpft werden. Das war schon so bei manchen Comics, die in den 50ern oft als "Schund" auf dem Index landeten. Trotzdem wurden sie auch auf Schulhöfen getauscht. Heute gelten sie als Kulturgut. Übrigens: Das Spiel Warcraft 3, das am 27. März auch in der Liederhalle gespielt werden wird, ist nicht zu verwechseln mit World of Warcraft, das des Öfteren in der Kritik steht. Warcraft 3 ist ab zwölf Jahren frei gegeben und stand bei keiner Verbotsdiskussion der letzten Jahre zur Debatte.

STW: Nach dem Massaker von Winnenden: Gibt es Überlegungen, die Tour der ESL abzusagen oder die Veranstaltung in Stuttgart?

Ibrahim Mazari: Niemanden lässt diese schreckliche Tat kalt, erst Recht nicht die Computerspieler in Deutschland - denn diese gehen oft selber noch zur Schule und werden so ganz direkt mit dem Amoklauf konfrontiert. Aber die ESL Pro Series abzusagen kam für uns nicht in Frage. Es ist die Profiliga des elektronischen Sports, mit der Bundesliga vergleichbar. Bei klassischen Fußballspielen kommt es allerdings oft zu Ausschreitungen und vielen Verletzten. Bei den vielen Hundert eSport-Events, die wir durchgeführt haben, gab es nicht eine einzige handfeste Schlägerei. Die eSportler in Deutschland sind entsetzt über die Taten von Winnenden, aber ein Zusammenhang zum professionellen eSport besteht in keinster Weise. Deshalb wird die Saison wie geplant statt finden.

STW: Sie sind am 27. März zu Gast in der Liederhalle in Stuttgart. Rechnen Sie mit Protesten gegen diese Veranstaltung?

Ibrahim Mazari: Nein, eigentlich nicht. Jedenfalls nicht in der Form, dass es Demonstrationen geben wird. Wir laden jeden, der Computerspiele derart kritisch sieht, ein, die Veranstaltung zu besuchen und sich selbst ein Bild zu machen.

STW: Haben Sie Änderungen im Ablauf geplant?

Ibrahim Mazari: Nein, der Ablauf wird wie gewohnt statt finden. Eine Schweigeminute ist nicht geplant. Die Spieler-Community setzt sich seit dem Tag von Winnenden mit dem Vorfall intensiv auseinander. Und das tun auch wir Veranstalter, privat und im Beruf. Es treffen sich auf dem Event viele Hundert Jugendliche aus Stuttgart und Umgebung. Dort haben sie ein Forum, wo sie miteinander von Mensch zu Mensch, ganz ohne Internet, sprechen können. Und das werden die Jugendlichen nutzen. Dort sind sie unter sich und können sich frei und unter Gleichgesinnten austauschen.

STW: Was würden sie besorgten Eltern von Counter-Strike-Spielern sagen?

Ibrahim Mazari: Kommen Sie am 27. März in die Liederhalle! Unter anderem gemeinsam mit der Bundeszentrale für politische Bildung veranstalten wir die "Eltern LAN". Alle Stuttgarter Eltern und Lehrer sind herzlich eingeladen, sich selbst ein Bild von Counter-Strike zu machen. Wer das Spiel kennt, kann sich auf jeden Fall besser mit den eigenen Kindern und deren Spielgewohnheiten auseinander setzten.

Alle Informationen zur "Eltern LAN" gibt’s unter http://www.eltern-lan.info.

Andrea Rothfuß

19.03.2009 - aktualisiert: 19.03.2009 11:43 Uhr

 






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