Winterschlussverkauf

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Bringen niederschwellige Angebote "Schmarotzer" hervor?

Eppler

Zur Debatte von Vesperkirche und anderen Angeboten für Bedürftige
 

Es ist eine leidige Debatte, aber jeder scheint mitreden zu können - und einen selbst betrifft es ja nicht: "Für bedürftige Menschen gibt es zu viele sogenannte niederschwellige Angebote in Stuttgart." Werden die dadurch nicht zu "Schmarotzern"? Die Antwort heißt: Nein!

Es gibt die Wärmestube der Evangelischen Gesellschaft, die Franziskusstube, die schwäbischen Tafeln, die Notquartiere von Stadt, Caritas und Diakonie, seit neuestem bieten einige Kirchen sogar "Essen ohne Kohle" an, kurzum: Die Versorgung mit Essen ist in der immer noch gut situierten Stadt Stuttgart auch für Bedürftige gesichert. Genauso sieht es mit Unterkünften aus. Wohl aus dieser ordentlichen Situation heraus kommt es immer wieder zu dem Vorwurf: Erzieht diese Leute nicht zur Unmündigkeit, bietet nicht zu viel an!

Man muss aber ganz klar sagen: Niederschwellige Angebote haben ihren Sinn, auch in ihrer vermeintlichen Vielzahl, und dafür gibt es einige Gründe: Sie sind eine erste Anlaufstelle, eine Kontaktbörse und helfen, Bedürftige an etwas heranzuführen, was sie bisher noch nicht kannten und in ihrer Situation nie kennenlernen würden. Der Weg zum Arzt, der Weg zum Jobcenter, zum Sozialamt - all das sind Aufgaben, die niemand gern macht, und bei Bedürftigen kommt häufig sicher noch Unkenntnis oder fehlendes Verständnis hinzu.

Weiterhin werden in der Regel zwei Wege gesucht, damit eben keine Erziehung zur Unmündigkeit entsteht: Das "Event" Vesperkirche geht nur einen begrenzten Zeitraum lang, die Bedürftigen sollen sich nicht an ein "Wohlfühlbecken" gewöhnen, ohne selbst etwas dafür zu tun. Außerdem wird in allen Einrichtungen ein geringer Obolus verlangt, damit der Wert einer Mahlzeit oder eines kulturellen Angebots klar ist und damit es nicht zum "Schmarotzen" kommt.

Was gibt es gegen eine Vielzahl an Einrichtungen einzuwenden? Eigentlich wird dadurch doch nur ein Netz aufgebaut, damit das "Durchs-Raster-Fallen" besser verhindert werden kann und das dafür sorgt, dass jeder, der will, ein Angebot annehmen kann. Und es gibt - das zeigt das hohe Interesse an ehrenamtlichen Helfern in der Vesperkirche, die sich vom einfachen Angestellten über den ehemaligen Bezirksvorsteher bis hin zu Managern erstrecken - genug Menschen, die helfen wollen. Nicht, um Mitleid zu zeigen, sondern um bessere Chancen für jeden in der Gesellschaft anzustreben.

Die Vesperkirche ist in den vergangenen Jahren sicher zum "Flaggschiff" in der öffentlichen Wahrnehmung geworden, das Angebote aufgenommen hat, die andere schon längst in Stuttgart hatten. Aber auch dazu muss man sagen: Warum soll nicht medienwirksam auf eine Problematik aufmerksam gemacht werden? Andere können ihrerseits davon profitieren.


Katrin Schenk

28.01.2010 - aktualisiert: 01.02.2010 14:13 Uhr

 






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