Katastrophe auf der Loveparade
Das Leuchten unter Wasser
Geht unters Eis: Sporttaucher-Gemeinschaft Schwaben-Ostfildern
Die winterliche Ruhe der Wasserbewohner respektiert auch die neopren-bewährte Gruppe von zwölf Personen, die sich bei frostigen minus 16 Grad Celsius dem komplett mit Schnee bedeckten Tiroler Plansee nähert. Es bilden sich Gruppen mit jeweils vier Personen, die den komplett zugefrorenen Bergsee betreten. 20 Meter weit vom Ufer halten sie an, mit der mitgebrachten Baumsäge bearbeiten sie die bis dahin geschlossene Eisdecke mit einer Dicke von 15 Zentimetern. Sie sägen ein dreieckiges Loch, mit einer Seitenlänge von etwa zwei Metern groß genug, um bequem ins Wasser zu gleiten. Doch die Zwölf sind weder Expeditionsteam noch Extrem-Kneipper - sie sind Eistaucher der Sporttaucher-Gemeinschaft Schwaben-Ostfildern.
Vom 15. bis 17. Januar haben sie das österreichische Plansee-Camp in 976 Metern Höhe für ihre eisige Aktivität bezogen. Strahlender Sonnenschein begleitet die Eistaucher, als sie die Einstiegsstelle entsprechend präparieren. "Das faszinierende am Eistauchen sind die Lichtspiele, die sich unter dem Eis bieten", erklärt Alexander Wid, erster Vorsitzender des Vereins und zum zweiten Mal bei der winterlichen Tauchaktion, einer Variante des Sporttauchens, dabei. Deshalb entfernen sie zunächst noch den auf dem Eis liegenden Schnee strahlenförmig um das Eisloch herum. Die so einfallenden Sonnenstrahlen sind "wie Leuchtstreifen unter Wasser", schwärmt Alexander Wid. Ein weiteres Faszinosum sind für ihn "die wandernden Luftblasen unter der Eisdecke", die "wie Quecksilber aussehen". Dazu kommt die Bergwelt-Kulisse, das ganz klare Wasser, mit einer Sichtweite von rund 30 Metern, und der Reiz der Stille: "Man hört außer dem eigenen Atem keine anderen Geräusche", berichtet Wid.
Wie die anderen Teilnehmer auch, hat er mehr als 100 Tauchgänge hinter sich, eine spezielle Ausbildung absolviert und weiß, wie er sich unterm Eis zu verhalten hat. "Die Sicherheit wird bei uns groß geschrieben", betont Wid.
Der so genannte Leinenführer sucht sich einen festen Stand. Er sichert die zwei Taucher, die gleichzeitig ins Wasser gehen und wiederum untereinander verbunden sind. Ein Sicherungstaucher wartet zudem in voller Montur, um die Taucher rauszuholen. "Der Leinenführer kann die Taucher in weniger als einer Minute zurückziehen", versichert Alexander Wid. "Das ist bei uns aber auch noch nie vorgekommen."
Rund 20 Minuten verbringen die Eistaucher in bis zu sechs Metern Tiefe, die Temperatur im Wasser bewegt sich dabei von einem bis drei Grad Celsius über Null. Dank der Trockentauchanzüge mit dichten Manschetten haben die Teilnehmer lediglich im Gesicht Berührung mit dem Wasser. "Aufgrund der trockenen Kälte in den Bergen friert man auch außerhalb des Wassers nicht so schnell", erklärt der Sporttaucher. Trotzdem praktisch, dass die Taucher sich in den nur 50 Meter entfernten Hütten gleich aufwärmen können - nachdem sie das Eisloch deutlich sichtbar abgesperrt haben.
28.01.2010 - aktualisiert: 28.01.2010 07:05 Uhr