Großeltern auf Leihbasis
Leihgroßeltern-Projekt findet Anklang, mehr Ehrenamtliche notwendig
MÖHRINGEN
Im Kinderzimmer des dreijährigen Niklas muss erstmal aufgeräumt werden. Auf dem Spielteppich rund um die Holzeisenbahn liegen große Legosteine kreuz und quer.
Gut, dass Niklas heute einen Helfer hat. Leihopa Ulrich Steinhauer ist zu Besuch und da macht sogar das Aufräumen plötzlich Spaß.
Richtig gelesen, in den Stadtteilen Möhringen, Sonnenberg und Fasanenhof gibt es seit September 2009 einen Leihgroßeltern-Service. Im Zuge des Mehrgenerationenhaus-Projektes, das zusammen mit der Gemeinde Möhringen initiiert wurde, hat sich die Initiative Lebensraum Möhringen, kurz ILM, diese Möglichkeit des Austausches unter den Generationen ausgedacht.
"Die Idee lebt davon, dass Vereine generationenübergreifende Projekte anbieten", sagt die Projektleiterin Birgit Keyerleber von der ILM. Das Leihgroßeltern-Projekt kommt an. Seit September haben sich über zehn Familien gemeldet, deren Kinder sich Großeltern wünschen. So auch Familie Nürnberg aus Möhringen. "Unsere beide Großelternteile wohnen je 500 Kilometer weit weg, Niklas bekommt Oma und Opa also nur sehr selten zu Gesicht", erzählt Denise Nürnberg.
Das Angebot vom ILM ist deshalb ideal für uns." Und auch Leihopa Ulrich Steinhauer profitiert davon. Da der Pensionär bislang keine Enkel hat, genießt er es, alle zwei Wochen Niklas zu besuchen und mit ihm etwas zu unternehmen. Nach der Schnupperphase gibt·s nun sogar Ausflüge.
"Niklas ist begeisterter Straßenbahn-Fan, die Ausfahrten gestalten wir also immer mit einer Fahrt im Bus und der Bahn", erzählt Steinhauer. Auch die Eltern von Niklas fanden sehr schnell Vertrauen zum Leihopa. "Es ist schön zu sehen, wie die beiden miteinander umgehen", freut sich Markus Nürnberg über das freundschaftliche Verhältnis zwischen (Leih)-Enkel und (Leih)-Opa.
Das Konzept der ILM, Generationen übergreifend zu arbeiten, scheint aufzugehen.
"Allerdings sind wir noch auf der Suche nach Leihgroßeltern", sagt Birgit Keyerleber. Denn der Bedarf an Familien, die sich einen Opa oder eine Oma wünschen, ist größer als der Pool an Großeltern.
Da hat Niklas Glück gehabt, dass es so toll mit seinem neuen Kameraden passt.
Und mit Ulrich Steinhauer hat er einen tollen Spielkameraden.
Der ehemalige Architekt weiß genau, wie er den Dreijährigen begeistern kann. Heute wollen die beiden eine Brücke über die Eisenbahnschienen bauen. Aber vorher muss erst einmal aufgeräumt werden.
04.02.2010 - aktualisiert: 04.02.2010 15:00 Uhr