Jeannette Wopperer: Regionaldirektorin setzt auf Konsens und will Kräfte bündeln - Geigenspiel als Gegenpol zur Arbeit
Mit Oberbürgermeistern, Unternehmenschefs, Ministern und Ministerinnen zu sprechen und zu versuchen, dass man auf einen gemeinsamen Nenner kommt, ohne einzelne Kompetenzen einzuschränken, das ist nicht immer einfach. Jeannette Wopperer ist Regionaldirektorin des Verbands Region Stuttgart. Sie ist stolz darauf, dass die Regionalversammlung demokratisch gewählt wird.
"Mit Oberbürgermeistern, Unternehmenschefs, Ministern und Ministerinnen zu sprechen und zu versuchen, dass man auf einen gemeinsamen Nenner kommt, ohne einzelne Kompetenzen einzuschränken, das ist nicht immer einfach. Jeannette Wopperer ist Regionaldirektorin des Verbands Region Stuttgart. Sie ist stolz darauf, dass die Regionalversammlung demokratisch gewählt wird.
"Ich hab' in meinem Beruf immer mehrheitlich mit Männern zu tun gehabt, das ist für mich nichts Neues", sagt Jeannette Wopperer. Jeder habe seinen Stil, wichtig sei, immer fachlich und sachlich zu bleiben. Im März vergangenen Jahres ist Jeannette Wopperer zur Regionaldirektorin gewählt worden. Bereits Mitte Juni trat sie ihr neues Amt in Stuttgart an. "Worin sich unser Regionalparlament von vielen anderen unterscheidet, ist, dass es direkt demokratisch gewählt ist." Das sei keine Selbstverständlichkeit. In Baden-Württemberg gibt es elf andere Regionalverbände, die auch bei weitem nicht die thematische Vielfalt bearbeiten.
Das räumliche Aufgabenfeld erstreckt sich für Jeannette Wopperer von Besigheim bis Böblingen, von Vaihingen an der Enz bis Owen unter Teck und von Herrenberg bis zum Welzheimer Wald. Zur Region Stuttgart gehören die fünf Landkreise Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg und der Rems-Murr-Kreis sowie die Landeshauptstadt Stuttgart.
Der Verband Region Stuttgart und somit auch seine Regionaldirektorin sind immer dann zur Stelle, wenn es um den öffentlichen Nahverkehr, Landschaftsschutz, die Regionalplanung oder Wirtschaftsförderung geht. Jeannette Wopperer ist bei der Einweihung der S-Bahn-Strecke nach Kirchheim unter Teck genauso mit von der Partie, wie beim "Spatenstich" zu Stuttgart21. Sie führt Gespräche mit Kommunen und Konzernen. Nicht selten geht es darum, Unternehmen bei der Standortsuche zu unterstützen, um Arbeitsplätze in der Region zu halten. "Ich trete oft als Mittlerin auf", sagt Wopperer. Sie höre sich alle Seiten an und versuche im Sinne der Region bestmögliche Lösungen zu finden. Ganz klar Stellung bezogen hat Jeannette Wopperer bei Stuttgart21: "Wäre das Projekt nicht gekommen, dann wäre es wirklich ein herber Verlust für die Region. Der öffentliche Nahverkehr, die Wirtschaft, die Stadt- und Regionalentwicklung, der Tourismus, vieles hängt von diesem Projekt ab." Die Pflanzung der zarten Keime des umstrittenen Milliardenprojekts hat sie bereits 1994 mitbekommen. Damals war die heute 42-Jährige Referendarin im Wirtschaftsministerium. "Vielleicht liegt es mir deshalb auch so am Herzen, weil ich schon damals dachte, dass Stuttgart21 ein nachhaltiges Projekt ist." Nach dem Studium der Architektur mit Vertiefung Städtebau in Karlsruhe und Zürich war Jeannette Wopperer nach Stuttgart gekommen und schloss daran eine Tätigkeit als Stadtplanerin in Lörrach an. 1999 wird sie Beigeordnete für Bauwesen und Verkehr in Worms, 2006 zieht sie für die CDU in den Landtag von Rheinland-Pfalz ein.
Doch hinter manchen Äußerungen wie "Schutz des Naturraums", "Lebensräume und Naherholungsgebiete schaffen" scheint sich nicht nur die Christdemokratin zu verbergen. "Trotz der friedensbewegten 80er Jahre und des Beginns der Grünen als politische Partei habe ich mich schließlich für die Junge Union entschieden, wobei das den Einsatz für den Umweltschutz beinhaltet."
Ihre Rolle als Mittlerin musste Wopperer von Beginn an auch in den eigenen Reihen unter Beweis stellen. Ihr Vorgänger Bernd Steinacher hatte sich 2008 das Leben genommen. Und die Nachfolge von Jeannette Wopperer wurde mit 51 von 91 Stimmen besiegelt. "Ich habe das Motto der Region "Kräfte bündeln" verinnerlicht und sehe es als meine Aufgabe, wo es geht, Kompromisse zu finden", sagt sie.
Gegensätze zu vereinen, das versucht die Regionaldirektorin, die mehrere Fremdsprachen spricht und deren Mann Spanier ist, auch in ihrer Freizeit: "Früher habe ich Karate gemacht und Geige gespielt. Den ruhenden Gegenpol finde ich immer noch beim Geigespielen, komme aber viel zu wenig dazu - wenn ich spiele, dann nur mit Dämpfer, dann bleibt's in den eigenen vier Wänden."