Drucken

Zwei Körbchen für ein schönes Körperteil

Karin Ait Atmane

Der BH war auch eine Befreiung vom Korsett - Vortrag bei den Landfrauen
 

Landfrauen können gut backen und stricken, aber das ist längst nicht alles. "Darauf reduzieren wir uns nicht!", sagt Dorothee Busch, eine der beiden Vorsitzenden der LandFrauen Unter-/Obertürkheim. Zum Programm gehören auch Besichtigungen, Vorträge und Diskussionen über Themen, die die 118 Mitglieder interessieren. Und es wird gern miteinander gelacht - so auch vergangene Woche. Da berichtete Referentin Annemarie Kreß Wissenswertes und Unterhaltsames zur Geschichte eines durch und durch weiblichen Kleidungsstücks: des BH.

UNTERTÜRKHEIM

Gut 50 Landfrauen warteten in der Untertürkheimer Kelter auf die Referentin, die im Stuttgarter Verkehr festhing. Das war für die Damen Gelegenheit zur angeregten Unterhaltung und viel Gelächter. "Jetzt schwätza mer halt vorher no a bissle", meinte Dorothee Busch.

Als Referentin Annemarie Kreß eintraf, musste ihr mit der Glocke Gehör verschafft werden.

Aber dann war die Aufmerksamkeit da, schließlich ging es um ein ur-weibliches Kleidungsstück, das mal verstecken und abdecken soll, mal aufhübschen und neckisch in Szene setzen, das mal als Befreiung gesehen wurde, mal als Last.

Schon die Sportlerinnen im antiken Griechenland trugen eine verzierte Brustbinde, das Strophium. "Das war sozusagen der erste Sport-BH", sagt Kreß.

In Deutschland ist ein ähnliches Kleidungsstück erstmals um 500 erwähnt worden.

Das weibliche Schönheitsideal und die Mode haben sich auch früher immer wieder verändert.

So war um 1400 der großzügige Blick ins Dekolltee erlaubt - die Frauen stützten die Brust durch einen breiten Gürtel von unten und hatten tief und weit geschnittene Ausschnitte.

Im 17. Jahrhundert war das Ideal die Flachbrust, weshalb die weiblichen Oberkörper eingeschnürt wurden. Das "Blankscheit", eine Art Brettchen als Versteifung fürs Korsett, drängte die Brust zurück. Ende des 18. Jahrhunderts forderte der Zeitgeist wieder üppigere Kurven, damals gab es schon künstliche Brustimitate aus Leder oder Wachs.

Korsette waren vor allem bei den Damen der Oberschicht über Jahrhunderte hinweg angesagt, von Katharina von Medicis Eisenkorsett bis hin zu den gewebten Teilen im Zeitalter der anbrechenden Industrialisierung. So wurde nach Annemarie Kreß" Informationen die erste Korsettfabrik der Welt 1848 in Bad Cannstatt gegründet, ging aber nach einigen Jahren in Konkurs.

Erfolgreicher war Salomon Lindauer, der 1865 ebenfalls in Cannstatt eine Miederwaren-Fabrik gründete. Die einige Jahre später registrierte Marke "Prima Donna" existiert noch heute. Sein Sohn Sigmund Lindauer setzte den Betrieb erfolgreich fort.

Stimmen, die eine Befreiung des weiblichen Körpers und mehr Bequemlichkeit forderten, wurden immer lauter. So entstand schließlich in den USA der BH, der die Brust nicht von unten stützt, sondern mit Trägern hält und bequeme Körbchen aufweist. Einige Jahrzehnte später, in der 68-Bewegung, wurde diese Befreiung schon wieder als Einengung der Frau bewertet - ob es damals tatsächlich BH-Verbrennungen gab, ist aber nicht sicher.


Von Karin Ait Atmane

04.03.2010 - aktualisiert: 04.03.2010 16:19 Uhr

 






nach oben