Offiziell gibt es den Winterschlussverkauf nicht mehr, dennoch sieht man jetzt überall die "Reduziert"-Schilder. Wie halten Sie es mit dem Schnäppchenkauf?
"Erbarmen - zu spät - die Hessen kommen!" Der Hit der Rodgau Monotones gilt jetzt auch für den Waschbären, der kurz vor den Toren Stuttgarts steht. In Fellbach wurde bereits einer erlegt, in Mühlhausen einer gesichtet. Wir sind der Sache nachgegangen, warum das putzige Bärchen gar nicht so ohne ist.
Die tierischen Einwanderer sind weiter auf dem Vormarsch. Besonders Waschbär und Marderhund haben Deutschland für sich entdeckt. In Stuttgart fühlen sich auch die Gelbkopfamazonen wohl. Seit 1984 überleben sie auch im Großstadtdschungel. Mittlerweile sind es rund 50der bunten Vögel, die die Gegend rund um die Wilhelma und den Cannstatter Kurpark besiedeln. Leider machen sie auch den heimischen Hohltauben und Dohlen die Brutplätze streitig.
Im zurückliegenden Jagdjahr wurden im Ländle 200 Waschbären erlegt, das sind 64 Prozent mehr als im Vorjahr, die meisten im Schwäbischen Wald, also 30 Kilometer vor Stuttgart.
Die putzigen, nachtaktiven Bärchen wurden 1930 in Hessen ausgesetzt, haben sich von dort aus extrem bis nach Frankreich verbreitet. In der Ausbreitungsrichtung ist Baden-Württemberg in Deutschland die letzte Station für diese Zuwanderer. Innerhalb von zehn Jahren ist die Zahl der erlegten Waschbären und Marderhunde auf das Neunfache angestiegen.
"In Hessen ist der Waschbär schon in Häusern, auf Dachböden und in Mülltonnen gesichtet worden, bei uns wohnt er noch im Wald", weiß Klaus Lachenmaier, Wildbiologe beim Landesjagdverband mit Sitz in Degerloch. Er ist sich sicher, dass die scheuen und intelligenten Wildtiere längst auch in Stuttgarter Wäldern heimisch sind, allerdings heimlich und versteckt. Schon in den 80er Jahren wurde im Rohrer Wald ein Waschbär gesichtet. Klaus Lachenmaier sieht im Stuttgarter Wald, vor allem im Glemswald, rund um die Bärenseen und im Rotwildpark ideale Lebensbedingungen: "Hier würde sich der Waschbär richtig wohlfühlen." Alles ganz harmlos? Nein, denn das Problem ist: Der Waschbär verdrängt andere einheimische Wildarten wie die Wildkatze, die ähnlich wie er leben, allerdings längst nicht so flexibel und anpassungsfähig.
"Eine effektive Kontrolle von Waschbär, Marderhund und anderen invasiven Arten ist zum Schutz der Artenvielfalt in Deutschland zwingend erforderlich. Vor allem heimische Boden- und Höhlenbrüter sind sonst gefährdet", betont auch Landesjägermeister Dieter Deuschle. Waschbär und Marderhund sind besonders konkurrenzstarke Raubsäuger, auch wenn sie für den Menschen keine Gefahr darstellen und auch keine Hühner stehlen wie der Fuchs. Sie stellen kaum Ansprüche an den Lebensraum, vermehren sich schnell und sind bei der Nahrung wenig wählerisch. Hinzu kommt das Fehlen natürlicher Feinde. Lachenmaier bittet darum, die putzigen Waschbären auf keinen Fall anzufüttern. Früher oder später droht sonst Ärger mit den Nachbarn, wenn die Waschbären sich über den Kirschenbaum hermachen.