
Winterschlussverkauf
Noch zu früh, um von Schließung zu sprechen
Da Mietvertrag ausläuft, wird über die Zukunft der Flüchtlingsunterkunft diskutiert
Die Flüchtlingsunterkunft an der Schemppstraße 100 hat sich als integratives Wohnheim etabliert, nicht zuletzt auch wegen des bürgerschaftlichen Engagements im Bezirk. Seit bekannt ist, dass der Mietvertrag mit der Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) Ende des Jahres ausläuft, wird eine mögliche Schließung befürchtet.
Von einer Schließung kann noch keine Rede sein - das bestätigen sowohl Gisela Lotze, Sprecherin der Kontaktgruppe Asyl, wie auch Stefan Spatz, stellvertretender Amtsleiter des Sozialamtes. Spatz stellt klar, dass die Sozialarbeiter über das Auslaufen des Mietvertrages nur jetzt schon informiert worden sind, um frühzeitig darüber Bescheid zu wissen. "Noch ist alles offen. Schließlich kann der Mietvertrag auch verlängert werden", sagt Spatz. "Über eine eventuelle Schließung wird erst Anfang 2011 entschieden."
Aber er betont, dass das Haus gut geführt wird und einen positiven Wohnungscharakter hat. "Deshalb spricht einiges auch für die Weiterführung dieser Unterkunft." Das einzige Problem ist, dass es eine relativ teure Unterkunft sei. Die Entscheidung für die Schließung eines Asylheims hänge vom Bedarf ab. "Mitte der 90er-Jahre mussten in ganz Stuttgart 18 000 Flüchtlinge untergebracht werden, momentan sind es noch 8 500", so Spatz. Die Stadt überprüfe also in einem ständigen Prozess den Bedarf an Asylhäusern und entscheide dementsprechend, ob sich eine Unterkunft noch lohne oder nicht.
Das Haus an der Schemppstraße ist laut Lotze in den vergangenen Jahren fast immer voll belegt gewesen. Der Bedarf in Sillenbuch ist also gegeben. Zudem wohnen in den zehn Wohnungen zehn Familien, von denen mindestens ein Mitglied schwer krank ist. "Deshalb brauchen sie die abgeschlossenen Wohnungen", erklärt die Sprecherin.
Im Asylheim an der Kirchheimer Straße müssten sie in viel kleineren Zimmern wohnen und sich die Waschräume mit anderen Bewohnern teilen. "Außerdem zahlen sie die monatliche Benutzungsgebühr selbst. Das ist eine der Bedingungen für ihr Bleiberecht." Genau diese Benutzungsgebühr wird laut Spatz noch 2010 auf jeden Fall erhöht. Aber in welcher Höhe ist noch nicht geklärt. "Dem Gemeinderat wird eine moderate Gebührenerhöhung vorgeschlagen", sagt er.
Wenn tatsächlich im kommenden Jahr der Fall der Schließung eintreten sollte, sieht der Stadtvertreter die Alternative, dass die Flüchtlinge in einem der anderen 23 Stuttgarter Flüchtlingshäuser unterkommen oder sich eine eigene Wohnung nehmen könnten.
Doch genau hier sieht Lotze das Problem: "Durchschnittlich bestehen die Sillenbucher Familien aus fünf bis sechs Mitgliedern." Sprich sie bräuchten eine Vier-Zimmer-Wohnung und diese könnten sich die Niedriglohnverdiener in Stuttgart nicht leisten.
lil
11.03.2010 - aktualisiert: 11.03.2010 11:30 Uhr
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