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Neues Leben in alten Mauern


Blick in die Vergangenheit, Teil 1: Was war das Postdörfle?
 

In diesem Jahr stellen wir immer wieder Wohngebiete und martkante Gebäude im Stadtbezirk vor. Heute: das Postdörfle. Das Postdörfle war die erste Arbeitersiedlung Stuttgarts. Zwischen 1868 und 1872 wurden an der heutigen Heilbronner Straße im Auftrag der Württembergischen Post und der Eisenbahn Wohnungen für die Bediensteten der Betriebe errichtet. Baulich setzte das Postdörfle, konzipiert von Georg Morlock, neue Maßstäbe.


 

S-NORD

Die 37 Wohnhäuser mit 215 Wohnungen unterschieden sich deutlich vom damals üblichen Kleinwohnungsbau im Cottage-Stil. Ihr Erscheinungsbild näherte sich dagegen dem bürgerlichen Mietetagenbau an. Auch Gestaltungselemente der Renaissance fanden sich in der Gesamtanlage wieder.

Das Postdörfle war die erste Hangsiedlung in Stuttgart: Die Terrassierung des Baugeländes bildet seither ein wichtiges Element im Siedlungsbau. Im Zentrum des Postdörfles fanden sich Gemeinschaftseinrichtungen wie eine Kantine, eine Kinderkrippe, ein Laden und eine Bade- und Waschanstalt. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Siedlung fast völlig zerstört. Eines der wenigen erhalten gebliebenen Gebäude war das der ehemaligen Bade- und Waschanstalt. Jahrelang stand dieses Gebäude verwaist und leer an der Heilbronner Straße. Den alten Mauern des ehemaligen Postdörfles wurde wieder Leben eingehaucht. Die NPC-Gruppe hat für die österreichische Hotelkette Arcotel in der Heilbronner Straße 21 ein modernes Vier-Sterne-Haus errichtet - und dabei historische Fassaden mit einbezogen. Zur heutigen Heilbronner Straße hin bildete die ehemaligen Bade- und Waschanstalt mit einer mittig gelegenen Freitreppe den Abschluss des Viertels.

Durch die Wiederbelebung der alten Gebäudesubstanz als Hotelfassade kann ein Stück Stadtgeschichte langfristig erhalten werden.

Architektonisch setzen die Natursteinfassaden außerdem einen interessanten Kontrastpunkt an der Heilbronner Straße, die überwiegend von moderner Architektur geprägt ist. In der einstigen Wohnsiedlung für Arbeiter von Post und Bahn fühlen sich jetzt Hotelgäste aus aller Welt heimisch. Am 1. Januar 2008 hat das Arcotel mit dem Namenszusatz "Camino", was auf spanisch "Weg" heißt, eröffnet.

Andrea Rothfuß


11.03.2010 - aktualisiert: 11.03.2010 12:19 Uhr

 






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