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Der Charme eines verlassenen Kais

Karin Ait Atmane

Viele Ideen und Entwürfe für einen Platz am Wasser
 

Auf den ersten Blick ist der Neckarkai unter der Inselbrücke wenig attraktiv, doch man kann ihn auch anders sehen Sie haben Kälte, Schnee und Wind getrotzt: die Studierenden der Fakultät Architektur und Stadtplanung samt ihrem Pavillon aus einem Baugerüst und Planen. Trotz des garstigen Wetters am Samstag zogen sie ihre Ausstellung "Pantha Rei - alles fließt" auf dem Wangener Neckarkai durch. Die Besucher kamen zahlreich und waren fasziniert vom Ideenreichtum der Entwürfe für einen Platz am Wasser.
 

WANGEN

"Die Kreativität ist enorm", staunte der Wangener Pastor Karl Schmid am Ende seiner Runde durch den Pavillon und dachte schon einen Schritt weiter: Jetzt bräuchte man noch Sponsoren. "Da sind sehr schöne Sachen dabei", meinte auch Roland Unold, stellvertretender Bezirksbeirat in Wangen. Ihm gefielen vor allem die konkreten Ansätze wie der schwimmende Markt: Ein Flotte von Flößen, die auf dem Neckar unterwegs wären und an geeigneten Stellen anlegen könnten - mal dicht an dicht wie eine durchgehende Plattform, mal weiter gestreut und durch Stege verbunden. "Wir sehen den Markt als einen atmosphärischen Ort, wo die Leute gern hingehen", meinte Catrin Stollsteimer, die zusammen mit Simon Köppl dieses Konzept entwickelt hat. Andere Studierende haben ein schwimmendes Theater entwickelt, dessen Bühne aus mehreren runden Plattformen im Wasser besteht, während Stufen auf dem Kai die Zuschauertribüne bilden.

Beim "gestrandeten Schiff" entstünde direkt auf dem Wangener Kai eine Art Stadtplatz in Form eines Schiffes. Andere stellen sich eine mit Beton abgeschrägte Uferzone vor, auf der runde Plattformen zum Ausruhen oder zu Wasserspielen einladen. Eine "Kanu-Fisch-Treppe" legt in der Uferzone einen erlebbaren Wasserlauf an, der es zudem Fischen ermöglichen würde, die Schleuse zu überwinden.

Ein anderer Entwurf greift ganz konkret die Idee eines Cafés am Wasser auf: mit Eisenbahnwaggons, die den Industriecharakter des Geländes widerspiegeln und aufgeständert wie Pfahlbauten auch ins Wasser hineinragen.

Eine andere Gruppe hat eine Reihe kleiner, würfelförmiger Ausgucke entlang der Inselbrücke aufgereiht, wie Nester am Geländer, mit einem größeren Bauwerk auf dem Mittelpoller, der dann begehbar wäre.

Andere Ideen waren Ausstellungsräume für Künstler entlang des Neckars oder Schirme mit optischen Mustern, die mit Hilfe von Wasserkraft auf- und zuklappen.

Als Übergangslösung schlug ein Student flexible, umbaubare Spielelemente vor.

Carla Schwarz, Louise Scherer und Felix Beck hatten als Projekt die Ausstellung konzipiert. Den Pavillon mit Planen und innen aufgespannten, transparenten Segeln aufzubauen, war ein ordentliches Stück Arbeit bei eisigen Temperaturen: "Wir sind die ganze Woche rumgeklettert und haben Segel gespannt", erzählt Louisa Scherer. Aber dabei hat sich den Studierenden auch der Charme des Ortes offenbart, der nicht auf den ersten Blick sichtbar ist. Der Kai sieht nach einer Industriebrache aus: Rohre, Stein, angerostete Container, daneben die lärmende B10. Und doch habe er Atmosphäre, besonders abends, "wenn Schiffe vorbeifahren und die Lichter angehen."


Karin Ait Atmane

11.03.2010 - aktualisiert: 11.03.2010 11:19 Uhr

 






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