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Eine Nacht auf Streife


Impressionen aus dem Alltag der Polizei - Bis zum Feierabend ist es lange hin
 

Polizeirevier Filderstadt. Freitag Abend, es ist 20 Uhr. Dienstbeginn für die Polizeikommissare Dagmar Wörner und Udo Steinke aus Filderstadt. Heute gehen sie auf Streife und keiner von ihnen weiß, wie der Abend verlaufen wird.
 

BERNHAUSEN

"An so einem Abend ist alles drin", erklärt Steinke. "Wir hatten schon Selbstmorde, tödliche Unfälle auf der B 27 oder diverse Ordnungswidrigkeiten. Manche Einsätze sind dann wieder harmlos, beispielsweise der Notruf einer älteren Dame, die nicht allein die Treppe hochkommt und Hilfe braucht." Es ist ein spannender Beruf. Angst oder Furcht haben hier keinen Platz. Denn bei diesem Job sind überlegtes und gezieltes Handeln oberstes Gebot. Emotionen sind hier nicht gefragt, also nichts für zarte Gemüter. Die beiden Polizeikommissare erinnern sich: "Der 11. März 2009 ist uns noch gut im Gedächtnis", sagt Steinke.

"Beim Amoklauf an der Albertville-Realschule in Winnenden, bei dem 15 Menschen zu Tode kamen, waren zwei unserer Kollegen im Einsatz. Beide kamen mit Schussverletzungen nach Hause". Amokschulungen beim täglichen Einsatztraining sind daher fester Bestandteil des Wochenplanes der beiden Polizeikommissare.

Wir wechseln den Raum. In der Einsatzzentrale zeigen mir Wörner und Steinke auf einem Plan das komplette Einsatzgebiet. Es reicht von Leinfelden-Echterdingen und Ostfildern über Denkendorf und Neuhausen bis hin zu Filderstadt und Waldorf-Häslach. Ein Gebiet mit rund 130 000 Einwohnern. Es ist 21 Uhr. Das Telefon klingelt. Unfall in Plattenhardt. "Ok, es geht los", sagt Wörner. Eine Minute später sitzen wir im Streifenwagen. Warnweste, Schreibunterlagen, Formulare und Alkomat sind mit an Bord. Als wir an der Unfallstelle eintreffen, sehen wir eine unter Schock stehenden ältere Dame am Straßenrand neben ihrem Auto stehen, die Warnblinkanlage ist eingeschaltet. Ein größerer Van ist ihr im Kreisverkehr in die Seite gefahren, das Fenster des Beifahrersitzes ist zerschmettert. Weiter hinten steht ein weiteres Fahrzeug. Wörner nimmt den Unfall auf, Steinke macht Fotos vom Tatort. Die Unfallverursacherin ist geständig und bekennt sich: "Ich habe das Fahrzeug einfach übersehen". Und weiter geht es mit dem Streifenwagen durch die Nacht. "Wir fahren jetzt nach und nach die Brennpunkte unseres Reviers ab", sagt Wörner. Es ist 21.30 Uhr, als wir an einem Spielplatz unterhalb der Uhlberghalle eintreffen. Dort lungern fünf Jugendlich mit alkoholischen Getränken auf einer Parkbank herum.

"Guten Abend, Polizeikontrolle. Könnt ihr euch ausweisen?". Steinke überprüft die Namen der Jugendlichen per Funk. "Die haben zwar alle was auf dem Kerbholz, jedoch nichts Gravierendes, weswegen wir sie mit aufs Revier nehmen müssten", erklärt der Beamte. Wir fahren weiter. Wieder erreicht uns ein Ruf per Funk.

Glassplitter auf einem Radweg in Nähe der Filharmonie. Es ist 21.50 Uhr als wir dort eintreffen. Die Glasscheibe einer Bushaltestelle ist zertrümmert, unzählige Scherben sind auf dem gesamten Rad- und Gehweg verteilt. Weit und breit kein Tatverdächtiger in Sicht. "Sieht aus, als hätte da jemand mutwillig dagegen getreten", schätzt Beamtin Wörner die Sachlage ein. Kurzerhand greift sie nach einem Besen aus dem Streifenwagen, Steinke übernimmt das Fotografieren am Tatort. "Auch Kehren gehört zu unseren Tätigkeiten", schmunzelt sie. In dieser Nacht erreichen uns noch weitere Funkrufe. Ein Fahrzeughalter hat auf der Strecke vom Siebenmühlental in Richtung Echterdingen ein Verkehrsschild umgefahren. Ein Großvater hat seinen Enkel bei einem Saufgelage mit dessen minderjährigen Freunden ertappt und wenig später melden Passanten, dass sie von Betrunkenen auf dem Leinfeldener Bahnhof angepöbelt wurden. Wir fahren durch die Nacht. Hellwach. Denn die Ordnungshüter haben noch lange nicht Feierabend.


Petra Nitzsche

11.03.2010 - aktualisiert: 11.03.2010 12:47 Uhr

 

 

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