Winterschlussverkauf

Offiziell gibt es den Winterschlussverkauf nicht mehr, dennoch sieht man jetzt überall die "Reduziert"-Schilder. Wie halten Sie es mit dem Schnäppchenkauf?

 
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Nichts ist gut!

Eppler

Es wäre jetzt eine gute Gelegenheit, endlich eine Bandbreite von Missbrauchsfällen auch in Baden-Württemberg aufzuklären. Aber irgendwie wird die Notwendigkeit nicht überall erkannt. Kultusministerin Marion Schick scheint bei dem Thema auch nicht gerade zu neuen Ufern aufbrechen zu wollen.
 

Sehr geehrte Frau Schick, kaum im Amt, schon folgt der erste Brief. Leider geht es um ein ernstes Thema: Missbrauchsfälle, die auch vor Baden-Württemberg nicht haltmachen. In diesem Zusammenhang haben Sie in einem Interview gesagt, Erzieher dürften keine Missbrauchsermittler, sondern sollten Vertrauenspersonen sein, sie sollten "in Verdachtsfällen in erster Linie psychologisch und pädagogisch umgehen". Wahnsinn, denkt man sich da, das machen Lehrer ja hoffentlich sowieso! Und es hört sich ein bisschen wie ein zu Guttenberg'sches "Alles ist gut in Afghanistan" an- und die Allgemeinheit ahnt: "Nichts ist gut!" Im Folgenden einfach ein paar Fakten:

Erstens: Gaienhofen, St. Blasien, Bad Mergentheim, jetzt auch noch Salem - tagtäglich tauchen neue Verdachtsfälle auf und, das räumen Sie selbst ein: Es könnte sich bei den bekanntgewordenen Fällen um eine Spitze des Eisbergs handeln. So ist es wohl, Frau Schick!

Zweitens: Sexueller Missbrauch scheint ja nur etwas zu sein, was sich in kirchlichen Internaten und Reformschulen abspielt und ganz lang zurückliegt. Tatsache ist aber: Der meiste Missbrauch findet in Familien statt - und das leider auch noch in der Gegenwart. Auf eine Klasse kommt statistisch gesehen ein Kind, das missbraucht wird.

Drittens: Nicht jede Schule, auch wenn kein Missbrauch hier stattfindet, ist ein Ort des Vertrauens. Vielleicht meldet Lehrer oder Lehrerin dem Schulleiter sogar Verdachtsfälle. Doch Hilflosigkeit oder das Motto "Dass nicht sein kann, was nicht sein darf" erstickt manche Aufdeckung im Keim.

Viertens: Generationen von Lehrern und anderen Pädagogen ist in diesen Tagen wohl die Spucke weggeblieben, als der Name Hartmut von Hentig fiel. Von Hentigs Lebensgefährte war Leiter der Odenwaldschule in Hessen und steht unter erheblichem Verdacht, Schüler zu sexuellen Handlungen genötigt zu haben. Und auch an den Hochschulen im "Ländle" wurde und wird das Ideal Herr von Hentigs immer noch hoch gehalten.

Was ergibt sich daraus? Zum einen, dass Schule natürlich Tatort sein kann, sie kann aber für Opfer auch noch ein gewisser Schutzraum sein. Und wer sollte erste Maßnahmen - ohne Hysterie, aber mit Sachverstand - einleiten, wenn deutlich wird, dass mit einem Kind etwas nicht stimmt außer Lehrer oder Erziehern? Zum anderen gilt es, in der Ausbildung und im Studium endlich manchen Pädagogen, teilweise aus dem vor-vorvergangenen Jahrhundert ad acta zu legen und stattdessen wenigstens in Grundzügen Diagnose und Analyse einzuführen, und auch wissenschaftliche Instrumente als Grundlage zu schaffen. Natürlich kann in der Schule kein Urteil gefällt werden, aber Maßnahmen, die schon ein wenig mit Ermitteln zu tun haben, wären in Verdachtsfällen sicher angebracht.

Nur Mut, Frau Schick, spontaner Beifall ist einem bei solch einem Thema nicht sicher, aber es geht darum, durch die Ankündigung von Aufdeckung das Schweigen zu brechen und dem wohl hinterhältigsten Verbrechen die Stirn zu bieten.

Katrin Schenk

17.03.2010 - aktualisiert: 28.05.2010 15:38 Uhr

 






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