"In der Stadtteilbücherei ist noch was los"
Ein paar Eindrücke von der 4. Feuerbacher Kulturnacht
FEUERBACH
Abends gegen acht. Die Lutherkirche im Burgenlandzentrum ist gut besucht. Vorne stehen die Vocal Ladies und sorgen im an und für sich spröden Saal für Wohlklang und Glanz. Der Frauenjazzchor in schwarz-roter Robe singt Swing, Latin und jazzige Popsongs und wird von Susanne Schempp geleitet, die Mitbegründerin der Feuerbacher Gesangsschule Go Vocal ist. Im nicht weit entfernten Bezirksrathaus herrscht Partylaune. Im Foyer vorm Großen Saal kredenzen Wengerter vom Lemberg ihre Weine. Manfred Rajtschan, Joachim Friedrich und Thomas Röck planen auch in diesem Jahr wieder zusammen mit ihren Kollegen am 1. August das Weinerlebnis am Feuerbacher Lemberg.
Nun bilden ihre Weine den sinnlichen Auftakt zur Lesung mit der Stuttgarter Krimi-Autorin Silvija Hinzmann. Immer seien die Männer die Mord-Opfer ihrer Erzählungen, stellt die Dolmetscherin und Übersetzerin leicht belustigt fest. In Zuffenhausen sei sie aufgewachsen, so Hinzmann, die beruflich häufig in den Stuttgarter Gerichtssälen zu tun hat, und fügt ihrem Stoff viel Lokalkolorit hinzu. In "Bis dass der Tod uns scheidet" kommt es nicht nur über Umwege zum Mord an einem fremdgehenden Ehemann. Hinzmann gibt auch einen ernüchternden Einblick in eine ziemlich doppelbödige Frauenfreundschaft. Um das Gruseln zu steigern, sitzen die Zuhörer während der Lesung im Dunkeln. Ortswechsel. Der Stuttgarter Schauspieler Gerald Friese beklagt ausgerechnet auf der Bühne der Stadtteilbücherei den Buchstabenmangel. Vokale und Konsonanten scheinen auf den Feldern zu wachsen und in den Läden verkauft zu werden, so eine der Geschichten des Programms "Sprachspielereien zwischen Mississippi und Neckar mit Mark Twain & Co." zum 100. Todestag von Mark Twain. Jeweils zur vollen Stunde erklingt "Zwischen-Musik" der Stuttgarter Musikschule. Nicht unweit vom Burgenlandzentrum entfernt zeigt die Friedensinitiative Feuerbach in der Tageseinrichtung für Kinder stündlich den Film "Spur der Erinnerung". Er dokumentiert die Bürgeraktion zur Erinnerung an die Euthanasiemorde in Grafeneck vor 70 Jahren. Elke Martin von der Stolperstein-Initiative hat das Schicksal der Grafeneck-Opfer recherchiert.
18.03.2010 - aktualisiert: 18.03.2010 12:11 Uhr