Geschmack macht Schule
Schüler lernen spielerisch Lebensmittel kennen
"Das Auge isst mit", diesen Satz kennt jeder und wer die Wahl hat, wird sich meist für einen knackigen roten Apfel entscheiden, im Gegensatz zu einem schrumpeligen braunen. Um die Sinne beim Verzehr von Lebensmitteln zu schärfen, unterstützt die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg Schulen mit einem Sinnesparcours. Dabei sollen Kinder für Lebensmittel sensibilisiert werden. Denn mancher scheinbar roter Apfel ist nur unter einer gelben Lampe wirklich rot.
"Das Joghurt schmeckt viel besser als das andere", sagt eine Schülerin und leckt an einer rot gefärbten Kostprobe.
"Nein, das schmeckt genau gleich", sagen die anderen in der Gruppe. Zwei unterschiedlich aussehende Joghurt-Nachtische und doch der gleiche Geschmack?
Das kann ja wohl fast nicht sein! Viele Nahrungsmittelhersteller greifen auf das Phänomen zurück, dass durch Sinneseindrücke (in diesem Fall das Sehen) auch der Geschmackssinn manipuliert werden kann. Ein roter Joghurt erscheint uns deshalb automatisch fruchtiger als ein blasser, rosa gefärbter.
Das ist nicht unbedingt ein Fall für die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.
Doch die möchte mit einer groß angelegten Aufklärungskampagne Schüler über den Gebrauch von Nahrungsmittel sensibilisieren. Wie derzeit in Büsnau. Dort kommen an der Steinbachschule den nächsten zwei Wochen Schüler in den Genuss dieses Lernens mit allen Sinnen: An fünf Stationen dürfen Lebensmittel beschnuppert, getastet, angeschaut, geschmeckt und sogar mit dem Gehör wahrgenommen werden.
Da ist der Apfel, der in rotem, gelben oder blauem Licht jeweils anders aussieht, die Verpackung, die von der Industrie auf Kinderaugen getrimmt wurde oder die Düfte, die als besonders angenehm in die Nase steigen.
"Die Industrie macht sich die Sinneswahrnehmungen zu Nutze, um die Zielgruppe "Kinder" konkret anzusprechen", sagt Sabine Partheymüller von der Verbraucherzentrale. "Kinder verfügen bundesweit über ein enormes finanzielles Budget", weiß Partheymüller und spricht von über 6 Milliarden Euro jährlich.
Ein Betrag, den sich die Nahrungsmittelindustrie natürlich nicht entgehen lassen möchte. Denn auch die weiß: Kinder sind wichtig, wenn es in der Familie um Kaufentscheidungen geht. Auch deshalb ist es der Verbraucherschützerin Partheymüller ein Anliegen, dass mit Nahrungsmittel verantwortlich umgegangen wird.
"Für uns ist das eine tolle Möglichkeit, die Schüler und auch die Eltern für eine gesunde Ernährung zu sensibilisieren", freut sich der Rektor der Steinbachschule, Gerhard Gödrich, der seine Schule in diesem Bereich durchaus fortschrittlich sieht. "Im Herbst haben wir eine Themenwoche gesundes Frühstück und bei den Grundschülern ist es sowieso selbstverständlich, dass die Kinder regelmäßig zusammen frühstücken." Möglicherweise haben sich deshalb die meisten Schüler auch nicht von den Farbstoffen im Joghurt manipulieren lassen. Auch wenn er ein bisschen bunter war. Fast alle waren der Meinung: "Der schmeckt gleich wie der rosa Joghurt mit wenig Farbstoffen." Info Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg bietet unter dem Motto "Knackig, duftig, bunt - Erlebniswelt Essen" den Sinnesparcours kostenlos für Schulen an.
Der Verein wird durch Fördermittel des Bundes und des Landes finanziert und kann damit unabhängig arbeiten. Informationen unter http://www.vz-bawue.de.
Der Sinnesparcours kann von Eltern und Schülern auch während des Frühlingsfestes an der Steinbachschule am kommenden Wochenende besucht werden.
18.03.2010 - aktualisiert: 18.03.2010 15:44 Uhr