Katastrophe auf der Loveparade
Kirchner winkt Munch
Staatsgalerie Stuttgart zeigt "Schätze der Sammlung Fischer"
Mann im blauen Anzug, dick und schwarz umrandet, viel zu lange Arme, grüngelbes Gesicht, kantiger Kopf, kantiges Kinn vor einer Szenerie von Werken, die ebenfalls expressionistisch wirkt - so kennt man Bilder von Ernst Ludwig Kirchner. Sein Selbstporträt ist eines von den 180 Werken der Sammlung Max Fischer, die die Staatsgalerie Stuttgart gerade zeigt.
Seit den 20er Jahren trug der Stuttgarter Unternehmer Max Fischer insgesamt 250 Arbeiten zusammen. Während die breite Öffentlichkeit, aber auch viele Kunstkreise, so gut wie nichts mit Heckel, Marc und Kirchner anfangen konnten, hatte Fischer genau den richtigen Riecher und erkannte wohl zum richtigen Zeitpunkt, dass die Werke fünf Jahrzehnte später ein Vermögen wert sein würden.
Nett anzuschauen ist beispielsweise "Bauer mit Kuh", eine Holzplastik, die Kirchner auch als Kunsthandwerker oder Handwerkskünstler vorstellen. Manche Aquarelle verweisen auf den Stil, den auch Kirchners Ölbilder prägen, andere sind doch recht einfach. Kirchners Stärke liegt sicher in seinen Lithografien und Tuschfederzeichnungen.
Einem anderen großen Meister wird in der Sammlung ebenfalls ausführlich gehuldigt: Edvard Munch. In seinen Lithografien spürt man auch heute noch die Beklemmung, die die Kunst des Norwegers unverwechselbar gemacht hat. "Der Kuss", "Weib mit rotem Haar und grünen Augen" und "Die Brosche" sind Klassiker, die man immer wieder gern sieht. Glanzpunkt: Henrik Ibsen im Café des Grand Hotel.
Die Nackedeis von Erich Heckel und Otto Mueller fehlen in der Sammlung genauso wenig wie die diabolischen Tänzerinnen oder Meerlandschaften von Emil Nolde. Max Beckmann ist vertreten, Alexej von Jawlensky und viele mehr.
Im Gegensatz zur Edvard-Burne-Jones-Ausstellung jedoch muss man sagen: Treffen mit guten Bekannten, die Vermehrung der neu gewonnen Einsichten lässt etwas zu wünschen übrig. kasch
"Brücke, Bauhaus, Blauer Reiter - Schätze der Sammlung Fischer" ist bis 20. Juni in der Staatsgalerie zu sehen.
18.03.2010 - aktualisiert: 18.03.2010 07:03 Uhr
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