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Die Primelsaison fällt heuer aus

Karin Ait Atmane

Endlich können die Frühblüher nach draußen - Platz im Gewächshaus wird gebraucht
 

Kein Friedhof, auf dem zurzeit nicht fieberhaft gearbeitet wird. Die Friedhofsgärtner geben jetzt richtig Gas, denn sie haben Nachholbedarf: Bisher ging wegen des frostigen Wetters nicht viel. Der lange Winter hat auch in den Blumengeschäften für Umsatzeinbußen gesorgt.
 

OBERE NECKARVORORTE

Man könnte annehmen, dass der lange Winter den Verkauf von Schnittblumen und Zimmerpflanzen gestärkt hätte.

Dem ist aber nicht so - wenn"s draußen grau ist, denken die Leute kaum ans Blumenkaufen, berichten auch die kleinen Blumengeschäfte durch die Bank.

Und bei Frühblühern für den Garten wie Primeln, Bellis oder Ranunkeln ging gleich gar nichts. "Die blühen schon länger, die warten, dass sie raus dürfen", sagt Doris Ege, die auf dem Großmarkt verkauft.

In vielen Geschäften sei in den letzten 14 Tagen gar nichts gegangen. Verstehen kann Ege das gut, schließlich konnte man einfach nichts nach draußen pflanzen.

Aber sie bräuchte in ihren Gewächshäusern in Remseck wieder Platz:

Was im Mai in den Verkauf geht wie Verbenen und Petunien steht jetzt noch "Topf an Topf ganz eng auf einem Tisch", sollte aber langsam mehr Luft bekommen.

Die Stiefmütterchen haben bei Ute Zaiß-Heinermann in Rotenberg gut durchgehalten.

Das hat einigen Aufwand erfordert, weil die Familie kein vollklimatisiertes Gewächshaus hat:

Deshalb hieß es die letzten Wochen ständig Blick aufs Thermometer und lüften und heizen nach Bedarf. "Das war schon ein Spießrutenlauf", sagt die Chefin. Dafür seien ihre Pflanzen gut gewappnet fürs Freiluft-Klima; so gut wie alle kommen jetzt raus auf Gräber. Blumenzwiebeln haben Heinermanns schon ausgepflanzt, als es vor zwei Wochen kurzzeitig warm war - denen machte der neue Kälteeinbruch nichts. Und jetzt wird es höchste Zeit für die Stiefmütterchen.

Hans Kumfert hat es riskiert, schon vor zwei Wochen Frühblüher auf dem Untertürkheimer Friedhof zu setzen. Er freut sich, dass sie die erneute Kältephase gut überstanden haben. "Wenn der Schnee drüber ist, das ist wie ein Kittel", sagt er. Nur die Bellis sehen ein kleines bisschen zerzaust aus, die Stiefmütterchen haben sich dagegen bestens gehalten. Die Primelsaison wird allerdings weitgehend ausfallen: "Die nimmt man jetzt gar nicht mehr." Umsatzeinbußen hatten Kumferts vor allem im Ladengeschäft. Als alter Hase in der Branche jammert der Chef trotzdem nicht: "Vor 40 Jahren war vor Ende März sowieso gar nichts zu machen". Allerdings sei es seit 15 Jahren stetig wärmer und der Winter kürzer geworden, auch die Eisheiligen liegen seiner Beobachtung nach mittlerweile eher im April.

Jetzt pflanzen er und seine Mitarbeiter auf Hochtouren, genau wie Werner Klink in Obertürkheim, der erst in diesen Tagen richtig loslegen konnte - vorher war bei ihm auf dem Obertürkheimer Friedhof entweder der Boden gefroren oder eine Schneedecke drauf. Und ein paar Hundert Gräber sollen möglichst bis zum Osterfest nach Frühling aussehen.


kaa

18.03.2010 - aktualisiert: 18.03.2010 15:22 Uhr

 






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