"Das Größte, was ich je erlebt habe"
Timofej im Wunderland - Prinzessin erfüllt Herzenswunsch des Jungen mit Asperger Syndrom
STEINHALDENFELD
Das Zimmer ist abgedunkelt. "Schau mal Mama, der Zug leuchtet rot und weiß!" Timofej strahlt über das ganze Gesicht während er behutsam die Modell-S-Bahn auf die Schienen setzt, den Trafo bedient und der leuchtenden S-Bahn zuschaut, die wie eine Glühwürmchen-Polonäse Licht ins dunkle Zimmer bringt.
Der Elfjährige ist begeistert von der neuen Modellbahn, die ihm Prinzessin Maria von Sachsen-Altenburg mitgebracht hat. Eine weitere Erinnerung an ein unvergessliches Erlebnis.
Denn der Verein der Prinzessin hat dem Elfjährigen bereits seinen Herzenswunsch erfüllt und ihm einen Besuch im Hamburger Miniatur-Wunderland geschenkt: ein Paradies für Modelleisenbahn-Fans.
"Das war das Größte, was ich je erlebt habe!" "Danach hat Timofej so viel geredet wie nie", erzählt seine Mutter Natalia. Was auf den ersten Blick nicht auffällt: Manchmal lebt Timofej in seiner eigenen Welt.
Timofej hat das Asperger Syndrom, eine Form von Autismus. Liebevoll geht er mit seinen beiden jüngeren Brüdern um. Rührend kümmert er sich um andere Kleinkinder von Freunden der Familie. Riesig ist seine Begeisterung für Modell-Eisenbahnen, er kennt Details wie kaum ein anderer.
"Auch im Wunderland hat er sich Sachen gemerkt, die vielen anderen gar nicht auffallen", erklärt Natalia die Besonderheit ihres Jungen. Doch in Gesellschaft mit vielen Menschen stößt Timofej an seine Grenzen. "Dann ist er schnell überfordert, spielt nicht mit, schweift in der Schule mit seinen Gedanken ab, manchmal ist seine Überforderung so groß, dass er im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Kopf gegen die Wand läuft", beschreibt die Mutter.
Die Familie hat sich mit der Krankheit von Timofej arrangiert und damit umzugehen gelernt.
"Zuhause klappt alles sehr gut. Aber ungewohnte Situationen sind immer wieder eine Herausforderung." Für Timofej, die Familie, das Umfeld.
"Unser Sohn ist nicht behindert. Er nimmt die Welt auf eine andere Art wahr. Es ist wichtig in unserer Gesellschaft, dass es verschiedene Menschen gibt", erklärt sie Mutter. Aber sie haben es nicht leicht, weil sie nicht der Mehrheit angepasst sind. "Deshalb bedeutet es uns so viel, dass Sie sich für unser Kind interessieren - das tut so gut", sagt Natalia in Richtung Prinzessin Maria von Sachsen-Altenburg. "Allein finanziell hätten wir uns die Reise nicht leisten können." Aber viel größer noch wiegt die Aufmerksamkeit, die der Familie und insbesondere Timofej zu Teil wird.
Auch Maria von Sachsen-Altenburg strahlt. Sie hat ihr Ziel erreicht. "Unser Verein will nicht nur materielle Wünsche erfüllt. Es geht uns um Nachhaltigkeit.
Die Kinder sollen durch die Erfüllung ihres Herzenswunsches Energie und Motivation schöpfen, von denen sie noch lange zehren können." Bei Timofej scheint dies der Fall zu sein wie die Mutter berichtet. "Jeden Tag erzählt er Neues, fällt ihm noch mehr ein, zeigt er seine Fotos aus dem Wunderland."
25.03.2010 - aktualisiert: 25.03.2010 13:50 Uhr