Ché setzt auf poetischen Rap
Serie (II): Sillenbucher Musiker will niveauvolle Lieder machen
Regelmäßig stellt das Stuttgarter Wochenblatt junge Musiker und Bands aus den Stadtteilen vor. Diesmal erzählt Ché, was seinen Rap ausmacht, und zeigt spontan, was er auf der Bühne drauf hat.
Lässig betritt er die Lounge im Jugendhaus Sillenbuch, wirkt mit seinem "Skelett-Pulli" ziemlich cool und kommt doch sympathisch rüber, als er bei der ersten Begrüßung lächelt.
Er sei kein Gangster-Rapper, so der 16-jährige Ché. Seine Lieder brauchen keine Ausdrücke, um zu sagen, was er will. "Ich will mit meiner Musik etwas Neues schaffen", sagt der Sillenbucher Gymnasiast. Wegen des Revolutionsgedankens habe er sich nach Ché Guevara benannt.
Das Neue in seinen Songs soll die Poesie sein, die in ihnen steckt. "Ich schreibe über persönliche Erlebnisse und Gefühle", sagt er. Meistens entstehen zuerst die Texte und dann kommen die Beats und Melodien, manchmal ist es auch umgekehrt. Wichtig sei ihm, dass die Lieder vom Künstlerischen her niveauvoll sind.
Gedanken über das Älterwerden verarbeitet er in seinem Song "Mit jedem Herzschlag". In "Glücklich sein" rappt er in emotionalen Worten über die Liebe zu einem Mädchen. "Mein Blog" ist eines seiner neuen Lieder, das sich mit Jugendlichen beschäftigt, die ihre Gefühle nur übers Internet offenbaren. "Ich finde es schade, dass sich viele hinter dem Internet verstecken und nicht in der realen Welt miteinander kommunizieren", teilt Ché mit.
Privat hört er neben Rap auch Rock oder Clubmusik. Von bestimmten Hip-Hoppern beeinflusst, sei er aber nicht. "An sich finde ich Bushido oder Sido nicht so schlimm", erklärt er. "Schlimm sind nur diejenigen, die versuchen diese amateurhaft nach zumachen."
Spontan erklärt er sich bereit, auf die Bühne im Diskoraum des Jugendhauses zu steigen. Sein Back-up-Sänger Simon kommt noch vorbei. Fast jeder Rapper brauche einen Back-up, damit man beim Singen auch mal durchatmen könne. Als die beiden dann loslegen, zeigt sich, dass sie nicht unerfahren sind. Schon einige Auftritte haben sie zusammen gemacht. Sie ergänzen sich gut und man sieht ihnen an, sie haben Spaß als Entertainer. "Wir wollen das Publikum animieren", sagt Ché. Da wird das Konzert vorher durchgeplant und besprochen, an welchen Stellen mit geklatscht oder gesprungen wird. "Vor jedem Konzert ist eine Aufgeregtheit da, aber sobald wir auf der Bühne sind, geht das schnell vorbei."
Angefangen haben die Auftritte Ende 2008 bei der Sillenbucher Rocknacht. Es folgten Konzerte beim Unesco-Jugend-Festival vergangenen Sommer, eine Hip-Hop-Veranstaltung für Nachwuchskünstler und diverse Straßen- und Schulfeste. Doch Ché rappt nicht nur, sondern legt auch bei Partys im Jugendhaus als DJ auf. Musik ist das, was er beruflich gerne später machen möchte, ist aber auch Realist. "Darauf kann man sich nicht verlassen und da ich für die Schülerzeitung am GSG schreibe, interessiert mich auch Journalismus." Wohin es in tatsächlich verschlägt, bleibt abzuwarten.
Weitere Infos unter http://www.myspace.com/che1993
22.04.2010 - aktualisiert: 22.04.2010 11:55 Uhr