Die Stuttgarter Betriebswirtin bringt diese Woche ihr erstes Album heraus - Mischung aus Jazz und Pop
Komm ein bisschen näher ("Come a Little Closer") lautet der Titel des Debütalbums der Stuttgarterin Tina Trumpp, das ab morgen in den Plattenläden zu kaufen ist. Die Aufforderung der 35-Jährigen ist durchaus doppeldeutig, denn die neue CD ist eine Annäherung an Shirley Horn, die große Virtuosin zart schmelzender Jazzmomente, und sie lädt die Zuhörer ein, sich auf die balladenhaften Jazzklänge einzulassen, sich ihnen anzunähern.
Im "DSDS"-Zeitalter, in dem Teenies bereits einen Plattenvertrag erhalten, scheint das Unterfangen von Tina Trumpp in der Musikszene Fuß zu fassen, fast schon wagemutig. Doch eine ungestüme Newcomerin ist sie nicht wirklich. "Musik wurde im Elternhaus durchaus großgeschrieben", erinnert sich Tina Trumpp. "Mein Vater war im Gesangverein, und ich habe mit sieben Jahren klassisches Klavier gelernt, und mit 13 kam noch die Violine dazu. Später gehörte sie der Schulband an, und nach dem Abitur hatte sie ein eigenes Jazzquartett.
Zunächst setzten sich jedoch die bodenständigen Gene der Familie durch, die Stuttgarterin studierte Betriebswirtschaft, machte ihren Abschluss, arbeitete im Marketingbereich, unter anderem auch bei Firmen in Spanien und Italien und bekam eine Tochter. Das war vor vier Jahren, und da war sie, die Zäsur: "Ich hatte in meinem erlernten Beruf sehr viel erreicht, aber mein großer Traum, die Musik, der lebte noch."
Also entschied sich Tina Trumpp, das Wagnis einzugehen, nicht als Hobby, sondern professionell Musik zu machen.
Von der Grundsatzentscheidung bis zum Gang ins Studio fürs Album gingen dann aber noch einmal zwei Jahre ins Land. Um ihre Vision umzusetzen, versammelte die Künstlerin gute Musiker um sich. Aufgenommen wurden die Lieder in Stuttgart und in Berlin im berühmten Hansa-Studio. "Für den Feinschliff sorgte Arno Schumann", so Tina Trumpp. Besonders stolz ist sie, dass sie noch ein Streicher-Quartett einbeziehen konnte, das so dem Album eine besondere Note gab: "Nichts kommt aus der Maschine, alles ist handgemacht." Fünf Tage war sie im Studio, bis die zehn Titel, darunter auch ihre Eigenkomposition "Raindrops in November" eingespielt waren.
Alle Lieder sind sehr balladenhaft, wie sie selbst zugibt. Musikalisch bewegt sie sich zwischen Jazz und Pop mit klassischen Anleihen.
Klares Vorbild für sie ist die im Oktober 2005 verstorbene amerikanische Jazzpianistin und Sängerin Shirley Horn, die sie zweimal auf Festivals erlebte und die ihren Stil geprägt hat, frei nach dem Motto "Alles Überflüssige weglassen und natürlich klingen". Mit musikalischem Mainstream oder gar Free Jazz hat Tina Trumpp nichts am Hut. Sie will, dass die Menschen sich angesprochen fühlen, will die Leute berühren.
Obwohl die Kosten für die Plattenproduktion sich etwa in der Größenordnung eines Kleinwagens bewegen, ist der monetäre Erfolg nicht der vorrangige Gedanke: "Es ist meine Liebeserklärung an die Musik, ich muss dahinterstehen, dann wird das andere kommen", ist sie überzeugt. Um sich selbst besser vermarkten zu können, hat sie ihr eigenes Label - TTRUmusic - gegründet und ist im Augenblick dabei, sich nach einer Konzertagentur umzusehen, denn ihr großer Traum ist, nicht nur in der Region, sondern deutschlandweit auf Tour zu gehen. Ihr nächster Live-Auftritt ist am 5. Juni um 14 Uhr bei Breuninger in Stuttgart in der Karlspassage.
In ihrer knapp bemessenen Freizeit stehen das viereinhalb Jahre alte Töchterchen Helen und ihr Ehemann an erster Stelle. Zu ihren Hobbys zählt sie das Reisen, vergisst aber nicht zu betonen, wie gut ihr Stuttgart gefällt.