Es ist die Horrorvorstellung schlechthin für alle Eltern, dass ihr Kind einem Pädophilen in die Hände fällt und womöglich nicht mehr nach Hause kommt.
Wenn ihnen dann noch per Brief eine Information des Schulleiters ins Haus flattert (siehe Titelgeschichte), dass ein entlassener Straftäter, der an einem Programm für besonders rückfallgefährdete Sexualstraftäter teilnimmt, in Wohnortnähe gesichtet worden sein soll, ist es schwer, nicht in Panik zu verfallen.
Die Eltern reden untereinander, jeder hat noch etwas anderes gehört, die Gerüchteküche brodelt, und Hysterie droht.
Der Schulleiter hat die undankbarste Aufgabe: Informiert er nicht, wenn ihm von der Polizei eine solche Information bestätigt wird, und es passiert etwas, trägt er schwer an seiner Mitverantwortung, gibt er das Schreiben heraus, heizt er womöglich die Hysterie an.
Die Polizei hat die Pflicht, die Probanden im Blick zu behalten und generell an Schulen und Kindergärten zur Aufklärung beizutragen, aber nicht noch konkrete Ängste zu schüren. Die wichtigste Aufgabe bleibt jedoch bei den Eltern.
Sie sollten für ihre Kinder da sein, ihnen Werte vermitteln, ihnen Grenzen setzen, sie aufklären, kurz, sie erziehen. Vor allem aber sollten sie hin- und nicht wegsehen im eigenen sozialen Umfeld, denn in aller Regel ist es nicht der unbekannte Fremde, sondern ein Freund, Onkel, Nachbar, der zum Täter wird. Hundertprozentige Sicherheit gibt all dies jedoch nicht, doch wenigstens das Gefühl, das Menschenmögliche getan zu haben.
Bernd Ruof
26.05.2010 - aktualisiert: 05.07.2010 14:36 Uhr