Muss das Geburtshaus schließen?
Hebammen protestieren gegen steigende Berufshaftpflichtbeiträge: Verdreifachung seit 2006
S-MITTE
Die Geburt eines Kindes ist für viele der schönste Moment in ihrem Leben.
Hebammen wie Katharina Kraufmann und Lea Pippir begleiten Mütter rund um Schwangerschaft und Geburt. Doch wie lange noch, das wissen die beiden freiberuflichen Hebammen des Geburtshauses Stuttgart Mitte nicht. Denn schon wieder wurden ihre Beiträge zur Haftpflichtversicherung angehoben, um satte 55 Prozent. Die Versicherungssumme der im Geburtshaus Stuttgart Mitte arbeitenden Hebammen steigt zum 1. Juli auf insgesamt 34 212 Euro an. Jede Hebamme muss somit einen Betrag von 3689 Euro aufbringen. Diese Summe entspricht dem 11,7 fachen Satz des Versicherungsbeitrags für Hebammen ohne außerklinische Geburtshilfe.
Aber die Vergütung der Hebammen durch die Krankenkassen ist zu gering, als dass sie von ihrem Lohn leben könnten. Für eine abgeschlossene Geburt im Geburtshaus erhält eine Hebamme 445 Euro brutto, wird die Frau im Laufe der Geburt in eine Klinik verlegt bekommt die Hebamme nur noch 172,80 Euro brutto. "Das Problem ist nicht, dass wir nicht genügend Arbeit hätten. Im Gegenteil, ich muss vielen schwangeren Frauen, die mich anrufen, absagen. Unser Problem ist: Die Berufshaftpflichtversicherung ist viel zu hoch und steigt immer weiter an", so Katharina Kraufmann. Ihre Berufswahl bereue sie nicht, wie sie aber in diesem Beruf alt werden könne, das überlege sie sich schon. "Wir sollten einfach so bezahlt werden, dass wir von unserem Beruf leben können. Man muss sich auch mal fragen, was der Gesellschaft die Begleitung von schwangeren Frauen wert ist. Es geht mir um die Frauen und Kinder, die geboren werden. Es braucht menschliche Begleitung und Empathie, damit der Start ins Leben als Baby und Mutter gelingen kann." Lea Pippir ist seit sechs Monaten im Geburtshaus Mitte als freiberufliche Hebamme dabei. "Den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen war nicht einfach.
Und dann kommt so eine hohe Mauer, die man überwinden muss", spielt sie auf die hohen Beiträge zur Haftpflichtversicherung an. Wie lange die beiden Hebammen und ihre Kolleginnen noch die individuelle Betreuung von Frauen und Paaren während der Geburt zu Hause oder im Geburtshaus anbieten können ist fraglich.
"Wenn es keine Lösung gibt, dann muss das Geburtshaus Mitte schließen", sagt Katharina Kraufmann.
27.05.2010 - aktualisiert: 27.05.2010 16:04 Uhr