
Winterschlussverkauf
"Leck mich doch am A..." sagt der Ritter zum Trompeter
Besuch bei den Nachfahren des Götz von Berlichingen in Jagsthausen
DEGERLOCH
Aufgeklärt in diesem Sinne sind seit kurzem die christlich-evangelischen und ehrbaren Damen und Herren der Donnerstagsrunde der ehemaligen Heilig-Geist-Gemeinde zu Degerloch, die dem verstorbenen und dem noch lebenden Götz von Berlichingen einen Besuch abstatteten.
"Natürlich kenne ich Degerloch", überrascht Hans-Sigmund von Berlichingen die Gäste in Jagsthausen, wo nicht nur die berühmte "Götzenburg" ist, sondern nebenan im Roten und im Weißen Schloss die Nachfahren des legendären "Ritters mit der eisernen Hand" leben. Er und sein Bruder Gottfried, auch Götz genannt, studierten Agrarwissenschaften, der eine in Göttingen, der andere Anfang der 90er-Jahre in Hohenheim. Und nun freut er sich, echten Degerlochern seinen Friedhof der besonderen Art zu zeigen.
Den betreiben die Brüder seit zwei Jahren oberhalb des Ortes. Dem jungen Freiherrn ist es auch wichtig der Degerlocher Reisegruppe zu versichern, dass beide christliche Konfessionen dem Projekt ihren Segen gegeben haben. Direkt am Waldrand neben einem idyllischen Teich gelegen lädt eine schlichte Holzkapelle zur Andacht ein, bevor ein kleiner Steg symbolisch den Übergang zum eigentlichen Friedwald markiert. An stattlichen Buchen und Eichen zeigen gelbe und blaue Täfelchen, wo ein Baum ist, unter dem man sich in einer Urne begraben lassen kann. Das eine seien Gemeinschaftsbäume, das andere Familienbäume, aber unabhängig davon tragen alle Plaketten mit den Namen der Verstorbenen, erklärt von Berlichingen. Natürlich interessieren sich Hildegard Bihr und ihre Seniorenrunde dafür, wie teuer eine solche letzte Ruhestätte im Wald denn sei. Ab 430 Euro für 99 Jahre Liegezeit könne man einen Platz unter einem Baum bekommen, den man sich selbst aussuchen kann, verrät der Friedwaldbesitzer. Da ist man dann schon auf der Weiterfahrt zum Kloster Schöntal, wo der legendäre Götz von Berlichingen in einem Seitengang des Bildungshauses begraben liegt. Schon auf der Hinfahrt hat die Ausflugsgruppe zahlreiche Anekdoten und Geschichten aus den Lebenserinnerungen dieses "Raubauzes" gehört. Der Geschichtenerzähler Markus Herzig schilderte auch ausführlich, wie es zum Verlust der rechten Hand in schon jungen Jahren kam. Ein Schuss aus einer "Feldschlange" zerschmetterte dem jungen Ritter den Unterarm. Auf der Rückfahrt erklärte Herzig noch, wie das Originalzitat entstand. Im Schauspiel der Sturm- und Drangdichters Goethes gab der belagerte Götz einem Trompeter den Spruch "leck mich doch im A..." mit auf den Weg.
02.06.2010 - aktualisiert: 02.06.2010 07:01 Uhr
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