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Immer gut für eine Überraschung


Lena Lieselotte Schuster stellt sich ins Schaufenster des Performance Hotels
 

Das Performance Hotel in Gablenberg bietet Raum für ein bis Juli befristetes, offenes Kunstprojekt der Hochschule für Bildende Künste Saar und der Kunstakademie Stuttgart.

GABLENBERG

Ein Vormittag wie jeder andere in Gablenberg. Die Leute gehen einkaufen, auf der Straße herrscht der übliche Verkehr. Plötzlich ruft einer: "Schauen Sie mal, da duschen sie im Schaufenster!". Das muss man gesehen haben.

Lena Lieselotte Schuster (29) sitzt im Schaufensterbereich und lässt sich durch ein riesiges Plastikrohr mit Konfetti berieseln. Die junge Frau mit der Hornbrille lächelt in die Kamera. Der Regen aus bunten Papierfetzen soll gegen Depressionen helfen. "Antidepressionsmaschine heißt das performative Objekt. Jeder kann diese Maschine in Gang setzen und benutzen und sich selbst bejubeln", erklärt die diplomierte Künstlerin aus Saarbrücken. Sich selbst bejubeln, so etwas würden die Menschen viel zu selten tun, meint sie. Das Objekt entstand nicht ohne Selbstironie, denn auch für angehende junge Künstler kann das Leben zuweilen hart sein. Die Antidepressionsmaschine ist Lena Lieselotte Schusters erstes Objekt ohne Einsatz eines Videos. "Ich arbeite ansonsten häufig mit Videoinstallationen", erklärt sie. Die überdimensionierten Plastikrohre saugen das Konfetti erst ein, um es anschließend wieder auszuspeien. Wer im Innern des Gebäudes die enge Treppe nach oben steigt, trifft auf der Terrasse im Hinterhof auf eine munter debattierende Runde. Georg Winter, Professor für Bildhauerei und Public Art an Aber der Hochschule für Bildende Künste Saar, ist ins Gespräch mit seinen Studenten vertieft. Die Aktionen im Performance-Hotel werden in Kooperation mit der Kunstakademie Stuttgart durchgeführt. Studenten oder frisch diplomierte Hochschulabsolventen der beiden Institutionen bespielen das ehemalige Gablenberger Weingärtnerhaus aus dem frühen 19. Jahrhundert mit unterschiedlichen Kunst- und Handlungsformen.

Wer möchte, kann eine Übernachtungen mit Frühstück buchen. Bezahlt wird mit Euros oder einer Performance. Die Hotelgäste können also Zuschauer bleiben oder selbst Teil der szenischen Installation werden. "Das ist unsere zweite Stadtraumaktion", meint eine Meisterschülerin von Georg Winter, die vor dem Performance Hotel an zwei großen Tischen steht. Der ersten kulinarischen Besonderheit aus ihrer Hand folgen heute koreanisch-schwäbische Maultaschen, so genannte Mandule, die den vorübereilenden Passanten angeboten werden sollen. Ob diese die fleischlose Variante mit Tofu, Glasnudeln und Chinakohl der gewöhnlichen Maultasche vorziehen, wird sich noch zeigen. Die Meisterschülerin aus Saarbrücken sieht es locker und rollt den Teig mit der Bierflasche.


Melanie Axter

17.06.2010 - aktualisiert: 17.06.2010 11:29 Uhr

 






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