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Der Runde Tisch wurde von den Gegnern von Stuttgart 21 vorige Woche abgesagt. Sollte es einen neuen Anlauf geben, wieder miteinander zu reden und sollte dies ohne Vorbedingungen geschehen oder nur bei einem Baustopp?

 
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"Üben, bis das Herz die Hand führt"


Serie Kreative Köpfe: Keramikerin Roswitha Gründler-Holzapfel
 

In loser Folge stellt das Wochenblatt kreative Köpfe aus der Region vor. Heute ist die Keramikerin Roswitha Gründler-Holzapfel an der Reihe. In der Werkstatt im Keller ihres Hauses im Kemnat bekommt man sofort Lust, sich selbst an die Drehscheibe zu setzen. Rund herum auf Regalen stehen unzählige ihrer Werke: Flakons in verschiedenen Größen, Teekannen, Kerzenständer - die farbigen Glasuren glänzen im Sonnenlicht um die Wette.

KEMNAT

Auf einem Tisch stehen gerade fertiggestellte Tassen, die an einer Stelle eine kleine Vertiefung haben. "Das ist für den Daumen", erklärt Roswitha Gründler-Holzapfel. "So kann man die Tasse besser halten." Die 55-Jährige nimmt eine Kugel Ton und knetet sie, bevor sie sich an die Drehscheibe setzt. "Zuerst zentriert man den Ton, sorgt dafür, dass er gleichmäßig in der Mitte sitzt. Dabei findet man selbst in die eigene Mitte. Ruhe ist hierbei sehr wichtig", erklärt die Keramikerin. Mit ihren Zeigefingern öffnet sie vorsichtig die Tonkugel und zieht den Ton durch geschickte Bewegungen langsam zu einem Gefäß hoch. In wenigen Sekunden ist ein Becher entstanden. Auch er bekommt einen Daumeneindruck und wird zum Trocknen zu den anderen gestellt.

"Das Besondere an meinen Flakons ist für mich diese Zeremonie des Öffnen und Schließens", erklärt Roswitha Gründler-Holzapfel. Ein Duft werde aufgenommen und im Gefäß bewahrt, das fasziniere sie. "Schöpferische Kraft bedeutet für mich Flexibilität, Weltoffenheit, Toleranz und unkonventionelles Denken", beschreibt die Keramikerin.

Außerdem eine hohe Frustrationstoleranz, da immer mal wieder eine Arbeit von ihr auch kaputt gehen könne. Gelernt hat die Mutter von vier Kinder den Beruf Bauzeichnerin. "Mein Vater und mein Großvater waren Kachelofenbauer. Die wunderschönen Keramikkacheln haben mich schon als Kind fasziniert. Doch damals konnte man als Mädchen nicht so einfach Kachelofenbauerin werden. Also habe ich eine Ausbildung zur Bauzeichnerin gemacht." Sie arbeitet viele Jahre in ihrem Beruf und bekommt vier Kinder, bis eine große Wende in ihrem Leben eintritt. "Meine Ehe ging auseinander und ich hatte das Bedürfnis, mich neu zu orientieren", erzählt sie. Mit 38 Jahren habe sie schließlich an der Kunstakademie in Nürtingen ein Kunststudium begonnen, zwei Semester Bildhauerei und acht Semester Gefäßkeramik studiert. "Man muss natürlich am Anfang viel üben, solange bis das Herz die Hand führt", beschreibt sie. Und sich Zeit lassen. Der japanische Philosoph Soetsu Yanagi habe über dieses Thema in ihrem Lieblingsbuch geschrieben, seine Worte dienen ihr als Leitspruch: "Ein Handwerker sollte nicht unter Zeitdruck arbeiten müssen, denn nur die Zeitlosigkeit setzt die natürlichen Kräfte frei. Natürlichkeit aber ist das Lebens selbst."


Rebecca Stahlberg

08.07.2010 - aktualisiert: 08.07.2010 14:05 Uhr

 






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