Wo die Fenster fallen
In der Jahn-Realschule ist eine Sanierung mehr als überfällig
BAD CANNSTATT
Die Fenster stammen noch aus dem Jahr 1875, in dem das Haus gebaut wurde. Zwar wurde das Gebäude von 1996 bis 1998 saniert - angesichts des maroden Zustands mehr als nötig - doch seither ist nicht mehr viel geschehen.
"Die Klassenzimmer wurden von Schülern, Eltern und Klassenlehrern seither immer an den Samstagen selbst renoviert", erzählt Führinger-Cartier. Deshalb findet sich an vielen Wänden ein neuer Anstrich - an Rissen in Decken und Wänden, Feuchtigkeit in den Grundmauern und eben den maroden Fenstern ändert das aber auch nichts. Morsche Holzteile sind bei Sturm schon abgefallen, zum Glück keinem Passanten auf den Kopf. Und "bei mir im Unterricht hat eine Windböe ein Fenster komplett nach innen gedrückt. Die Schülerin, die darunter saß, ist noch mit dem Schreck davongekommen", so der Konrektor.
Fürs erste wurden daher viele Fenster einfach mit Brettern verschalt. Das sieht nicht nur unschön aus, sondern verbessert auch nicht eben das Raumklima. Viele andere Fenster können nämlich nicht mehr geöffnet werden.
Stuttgarts Schulsanierungsprogramm erweitert den Etat nun um 100 Millionen Euro zusätzlich. Zum Vergleich: Statt 20 Millionen stehen jetzt pro Jahr insgesamt 70 Millionen Euro zur Verfügung. Mit den ersten Sanierungen wurde begonnen, die anderen erfolgen nach festgelegter Dringlichkeit. "Wir gehen davon aus, dass wir in sechs Jahren alle Schulen saniert haben", sagt Bürgermeisterin Susanne Eisenmann. Um langfristig eine Verbesserung zu schaffen, solle es auch nach dem Programm mehr Mittel zur Unterhaltung der Schulen geben. "Es ist gut investiertes Geld", so Eisenmann. "Schließlich ist das kein Luxus, sondern es geht um die Zukunft für unsere Kinder und Jugendlichen." In der Vergangenheit sah das an und in den 168 Stuttgarter Schulen anders aus.
Dringende Reparaturen wurden durchgeführt, mehr nicht. "Wir würden uns Schönheitsreparaturen wünschen", sagt Renate Schlüter, Rektorin der Elise von König-Schule. Immerhin hat der hundertjährige Altbau der Grundschule von den zwei neueren Anbauten profitiert, in erster Linie in Sachen Sicherheit und Brandschutz. Die Toiletten aber sind immer noch aus den Achtzigern: "Da wird nur erneuert, was kaputt ist, Spülknöpfe zum Beispiel", so Schlüter.
Auch um die Toiletten wolle man sich kümmern, so Eisenmann. "Es geht um alle Dinge, die man braucht, um Schule machen zu können." Fürs erste darum, dass keiner von fallenden Fenstern erschlagen wird.
15.07.2010 - aktualisiert: 15.07.2010 14:40 Uhr