Andreas "Bär" Läsker: "Fantastische Vier"-Manager über die Discoszene in 80ern, seinen Musikgeschmack und das Abraten vom Business
Er ist das fünfte Bandmitglied, der Mann, der hinter "Die Fantastischen Vier" steht und der es geschafft hat, Thomas D, Smudo, Michi Beck und And.Ypsilon zusammenzuführen und über 20 Jahre hinweg zusammenzuhalten. "Jeder sagt mal: Ich will aufhören - und dann macht er doch weiter", so Andreas "Bär" Läsker.
Jede erfolgreiche Band braucht einen erfolgreichen Manager, der hinter ihr steht, der die Geschicke leitet, manchmal auch mitleidet. Bei den "Fantastischen Vier" ist das Andreas "Bär" Läsker, der im Gegensatz zu den jungen Musikern aus Stuttgart und Umgebung vor mehr als 20 Jahren in der Szene bekannt war und über ein gutes Netzwerk verfügte.
Das schien auch Michi Beck, der immer wieder in Läskers Plattenladen in der Immenhofer Straße 19 auftauchte, klar zu sein: "Er ist mir als Typ zunächst gar nicht so aufgefallen, sein Auto, ein voll gesprayter Audi 80 schon." Michi Beck hörte viele Platten an, kaufte aber wenig ein. Eines Tages kam er doch mit dem Geschäftsinhaber ins Gespräch, sagte, dass er eine Band hätte und brachte ein Demoband mit: "Die Melodie Brickhouse von den Commodores erkannte man gleich, neu war aber der deutsche Sprechgesang, das hatte ich zuvor nie gehört", so Andreas Läsker zum Song "Hausmeister Thomas D". Band und Plattenladeninhaber kamen ins Geschäft.
Zugute kamen Band und Manager dabei Läskers Kontakte und Erfahrungen, die er nach dem Abgang des Friedrich-Schiller-Gymnasiums in Ludwigsburg pflegte: Als Teenager legte er bereits in Clubs und Discos auf, bekannt wurde er im Cactus in Leonberg. Läsker beherrschte das perfekte Mixen, sodass das eine in das nächste ohne Bruch übergehen kann. Zu Hause stand der Plattenschrank voll mit Alben von Supertramp, Barclay James Harvest, Status Quo, Whitesnake, AC/DC, Black Sabbath. "Bei mir heißt das Motto von Abba bis Zappa, wichtig ist mir eine hohe Qualität, in der sich einzelne Bands und Songs von anderen unterscheiden." Die ersten großen Konzerte, die er als 15-Jähriger erlebte, waren die der Scorpions 1978 in Uhingen, Landkreis Göppingen, und Ten Years After.
Seinen Spitznamen erhielt Läsker aufgrund eines Aufklebers: Auf dem Plexiglas, das den DJ an seinem Mischpult umgibt, prangte "Hier steppt der Bär", und so war der Name Andreas "Bär" Läsker aus der Taufe gehoben. In Stuttgart legte er in sämtliche Discos auf: direkt am Stöckach, neben seinen ersten eigenen vier Wänden, im Müsli in der Reinsburgstraße, im Oz oder in der Boa in Stuttgart-Mitte. "Das Oz war unter den Diskotheken in Stuttgart sicher der angesehenste Club und hatte einen guten Ruf. Wer kann heute schon sagen, dass man The Cure zu Gast hatte..."
Doch das Geschäft mit den Fantastischen Vier entwickelte sich so gut, dass sämtliche DJ-Angelegenheiten nach und nach in den Hintergrund traten: "Die da?!" und der Nummer-eins-Chart-Erfolg "Sie ist weg" bewiesen, dass "Die Fantastischen Vier" eine Goldgrube werden könnten.
Andreas Läsker beließ es aber nicht bei der Betreuung der deutschen HipHopper: Er hatte zeitweise bis zu 25 Bands, darunter auch "Die Prinzen" und "Fury in The Slaughterhouse", unter Vertrag: "Das schafft man irgendwann nicht mehr, weil man vor Ort sein muss."
Ein Vertragspartner aus der jüngsten Vergangenheit war Thomas Godoj, ein Beispiel dafür, wie es im Leben eines Musikmanagers auch laufen kann: "Wir haben eineinhalb Jahre alles hingebastelt - und dann löst er den Vertrag auf." Das versetzt dann auch mal einen "Bären" in Rage.
Deutschlandweit haben viele Läsker wohl weniger als Bandmanager, sondern mehr als DSDS-Juror an der Seite von Dieter Bohlen kennengelernt. "Es war für mich ein Ausflug in die Fernsehlandschaft, und es ging mir dabei weniger darum, Casting-Shows kennenzulernen als das Agieren vor der Kamera mitzukriegen."
Auf die Frage, was er, selbst Vater einer 16-jährigen Tochter, jungen Menschen, die ins Musikbusiness einsteigen wollten, sagen würde, meint der 46-Jährige: "Ich würde ihnen abraten oder zumindest empfehlen, es sich gut zu überlegen. Vieles Schlechte wird überbewertet, sodass etwas wirklich Gutes kaum eine Chance hat." Am Samstag feiern "Die Fantastischen Vier" ihr zweites Heimspiel auf dem Cannstatter Wasen. Millionenfach haben sie ihre Alben verkauft. "Die Jungs wollen schon seit 15 Jahren immer mal wieder aufhören. Aber sollen 42-Jährige wirklich schon in Rente gehen?"