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Nach Land unter soll es wieder bergauf gehen


Hochwasserschäden werden langsam beseitigt - Computersimulationen sollen in Zukunft helfen
 

Nach dem starken Unwetter vor drei Wochen herrschte erst einmal Land unter in Gerlingen und den Städten in der Umgebung. Besonders schlimm hat es das Gerlinger Rathaus erwischt. Während die Aufräumarbeiten laufen, wird auch über den Schaden und die Konsequenzen nachgedacht.
 

GERLINGEN

Es ist ein früher Sonntagmorgen wie jeder andere auch. Ein heftiges Hitzegewitter zieht sich über Gerlingen zusammen und entlädt sich dort in Wassermassen von 100 Liter pro Quadratmeter, die kein Regenrückhaltebecken zurückhalten kann und die innerhalb kürzester Zeit schwere Schäden in der Stadt hinterlassen. Was wie ein Schreckensszenario aus einem Katastrophenfilm klingt, wird in Gerlingen am 4. Juli zu bitterer Realität.

Neben den voll gelaufenen Kellerräumen in Wohngebäuden, trifft es besonders das Rathaus, dessen zwei Stockwerke komplett unter Wasser standen, und die städtische Tiefgarage, in der zwei Polizeifahrzeuge und vier städtische Fahrzeuge einen Totalschaden erfuhren. Über 125 Einsatzstellen hatte die Gerlinger Feuerwehr an diesem Tag.

"Schuld an den Überschwemmungen waren die großen Massen an Oberflächenwasser, die durch das Unwetter auf Straßen- und Feldwege in Sturzbächen daherkamen und in Obergeschosse und Keller eindrangen", sagt der Gerlinger Stadtbaumeister Rolf Eberhart.

Fast drei Wochen nach diesem Vorfall ist die Normalität im Rathaus längst nicht eingekehrt. Das ganze Ausmaß der Schäden ist nicht ersichtlich. Bis September sollen konkrete Zahlen vorliegen. "Inzwischen sind fast alle Telefonleitungen wieder an das Netz angeschlossen und es gibt wieder Strom", berichtet Eberhart.

Neben dem EDV-System der Verwaltung und der Telefonzentrale fielen auch die Räume der hauseigenen Druckerei, des Amts für Jugend, Familie und Senioren, des Archivs und damit die gesamten Aktenbestände sowie der städtischen Kunstsammlung dem Hochwasser zum Opfer. Die geretteten Akten, das historische Gedächtnis der Stadt laut Stadtarchivsleiter Klaus Herrmann, werden zurzeit bei einer Frankfurter Spezialfirma zum Trocknen eingelagert.

Eine neue Bleibe wurde für das Amt für Jugend, Familie und Senioren in der Hauptstraße 38 gefunden, während die hauseigene Druckerei als Übergangslösung einen Platz im Stadtarchiv in der Urbanstraße bekommt. Neben den großen Aufräumarbeiten wird auch Ursachenforschung betrieben. "Wir wollen herausfinden, wie solche Katastrophen in Zukunft vermieden werden können", sagt Bürgermeister Georg Brenner, der bereits wenige Stunden nach dem Hochwasser 150 000 Euro für die Beseitigung der Schäden an Straßen und Wegen bereitgestellt hatte. Die Stadt wolle mehr leisten, als wozu sie normalerweise gesetzlich verpflichtet wäre. Deshalb werde geprüft, wie das gesamte Hochwasser genau verlaufen ist. Dazu will sich der Bürgermeister noch diese Woche mit einem speziellen Ingenieurbüro aus Darmstadt in Verbindung setzen. "Es sollen Computersimulationen und Überflutungsgefahrenkarten erstellt werden, mit denen wir herausfinden können, welche Wege das Oberflächenwasser nimmt und wohin es fließt", erklärt Brenner. Das sei aufgrund der heutigen Technik für das Gebiet Gerlingen möglich, aber auch die anderen Kommunen wollen davon Gebrauch machen. "Aus den Ergebnissen können wir weitere Maßnahmen ableiten", fügt der Bürgermeister hinzu, der auch prüfen will, ob Gerlingen weitere Regenrückhaltebecken benötigt.


azu

22.07.2010 - aktualisiert: 22.07.2010 12:34 Uhr

 






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