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Die Exponaten-Jägerin

Frank Eppler

Ulrike Groos: Die neue Direktorin des Kunstmuseums hat bereits in vielen Städten und Gremien Weitblick bewiesen
 

Seit Anfang des Jahres ist Ulrike Groos die neue Direktorin des Kunstmuseums und scheint wie ihre Vorgängerin Marion Ackermann auf Vernetztheit und auf Multitasking zu setzen: Neben den ersten Ausstellungen fürs Kunstmuseum hat sie auch die Triennale in Fellbach kuratiert.
 

"Ich bin gut in Stuttgart angekommen", sagt Ulrike Groos, die seit diesem Jahr das Kunstmuseum Stuttgart leitet. Ihre vorige Stelle war in Düsseldorf, dort war sie seit 2002 Leiterin der Kunsthalle. Aufgehorcht hat man, als Marion Ackermann, Ulrike Groos' Vorgängerin am Kunstmuseum, sagte, dass sie nach Düsseldorf ginge.

Ein Tauschgeschäft, wie manch einer vielleicht vermuten könnte, war es übrigens nicht, dass zwischen Düsseldorf und Stuttgart ausgehandelt worden wäre. "Ich war ja an einem ganz anderen Haus." Vielmehr war es ein Kollege aus dem süddeutschen Raum, der die 46-Jährige auf den Weggang von Marion Ackermann aufmerksam machte. "Ich hatte mich bereits mit der Triennale in Fellbach beschäftigt, kannte also den süddeutschen Raum. Die Möglichkeit, in Stuttgart ein Haus zu leiten, dessen Verständnis sich aus seiner Sammlung heraus ergibt, mit Hochkarätern wie Dix und Baumeister, fand ich sehr reizvoll."

Die Referenzen, die Ulrike Groos vorweist, zeugen von einer Erfahrung, die sicher nicht bei der klassischen Avantgarde beendet ist, im Gegenteil: 2003 saß die gebürtige Hessin bereits in der Findungskommission der Documenta 12: "Es ging darum, mit Hilfe eines internationalen Gremiums den Leiter der Documenta zu benennen - wenn da dann der Anruf kommt, dass man in solch einer Jury sitzen darf, da freut man sich natürlich , dass die eigene Arbeit soviel überregionale Aufmerksamkeit erregt. Im Kuratorium der Triennale Kleinplastik Fellbach traf sie einige ihrer zukünftigen Kollegen: Staatsgalerie-Chef Sean Rainbird, Kunststiftungsleiterin Petra von Olschowski oder Solitude-Akademie-Leiter Jean-Baptiste Joly. Fellbachs Oberbürgermeister Christoph Palm war sofort vom Titel "Larger than life - Stranger than fiction" begeistert: das höre sich nach Internationalität an, nach einer Sonderschau mit Weitblick - und so kann man auch mal einen Anglizismus im Titel unterkriegen.

Zwei Jahre hat Ulrike Groos für die Kleinplastik-Sonderausstellung in der Alten Kelter nach Künstlern Ausschau gehalten. "Als ich auf der Art Basel war, hab ich mich dabei ertappt, dass ich mich immer noch mit dem Thema beschäftige."

Es sei schwierig, zu definieren, wann man ein Werk in eine Ausstellung aufnimmt: "Es ist immer ein persönliche Entscheidung und bei der Triennale war die Wahl und der Umgang mit dem Material sowie erzählerische Ansätze meist das starke Kriterium." Und letztendlich müssen Objekte dann auch zu dem roten Faden passen, der sich für die Kuratoren durch die Ausstellung zieht.

Ulrike Groos scheint nicht nur durch Gremien und Ausschüsse gut vernetzt zu sein, sondern versucht auch Vernetzungen zu anderen Bereichen aufzubauen. Und das kann gern auch mal unkonventionell sein: Sonic Youth war so eine Ausstellung in der Kunsthalle Düsseldorf. Zusammen mit der gleichnamigen Band wurde ein Konzept erarbeitet, das die Aktivitäten der experimentellen Gitarrenband, die seit ihrer Gründung im Jahr 1981 in der Musik- und Kunstszene stilbildend ist, ins Zentrum rückt. "Mich hat das Plattencover mit einem Gerhard-Richter-Bild schon als Jugendliche angesprochen", und aus der Faszination ist eine Werkschau geworden.

Die Musik spielt auch sonst in ihrem Leben eine wesentliche Rolle: "Es war wichtig, dass in die neue Wohnung ein Flügel passt." Und da muss man in Stuttgart doch ein bisschen suchen. Doch Ulrike Groos einen Ort zum Ausruhen gefunden "in meinem Garten zwitschern die Vögel, das ist alles wunderbar." Zu Hause hängen einige Arbeiten von Künstlern, zu denen sie eine persönlichen Bezug hat.

Die nächste größere Ausstellung, die nun im Kunstmuseum nach "Eat Art. vom Essen in der Kunst" in diesem Herbst und Winter zu sehen sein wird, hat bereits in Wolfsburg ihre ersten Besucher empfangen: Alles dreht sich dann um Rudolf Steiner. "Ich weiß, dass es hier in Stuttgart einige Bezüge zu Rudolf Steiner gibt, hier hat die Anthroposophische Gesellschaft ihren Sitz, hier wurde die erste Waldorfschule errichtet." Wer glaubt, dass es hier um trockene anthroposophische Abhandlungen geht, wird getäuscht werden: Joseph Beuys, Tony Cragg, auch ein guter Bekannter im Kunstmuseum, der den Eingangsbereich schmückt, Katharina Grosse, und Mario Merz werden vertreten sein. Was im Kunstmuseum vor einigen Jahren angestoßen wurde, scheint auch unter Ulrike Groos' Leitung eine Fortsetzung zu finden.

Katrin Schenk

28.07.2010 - aktualisiert: 25.10.2010 16:04 Uhr

 






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