Baurechtsamt lehnt Anträge auf Einrichtung von Spielotheken ab
Wenigstens ein wenig Aufatmen können die Spielhallen-Gegner in Untertürkheim. Nachdem bekannt geworden war, dass für das Gebäude neben dem Bahnhof ein Antrag auf Einrichtung von drei Spielotheken gestellt worden war, gibt das zuständige Baurechtsamt nun erst einmal Entwarnung. "Wir haben diesen Antrag abgelehnt", sagt Bodo Köhl, Leiter der Abteilung Neckar im Baurechtsamt auf Anfrage.
UNTERTÜRKHEIM
Seit Wochen wehren sich Bürger gegen noch mehr Spielhallen im und um den Bahnhof. Seitdem an den angrenzenden Bau, der früher als Postwohnheim genutzt wurde, ein "Zu-Verkaufen-Transparent" hängt und bekannt geworden war, dass es die Anträge auf noch mehr Spielotheken gibt, wurde der Protest massiv. Die Fraktionsgemeinschaft SÖS/die Linke im Stuttgarter Rathaus trieb das Thema voran. Auch die SPD-Gemeinderatsfraktion will die Expansion von Spielhallen eindämmen. Sie beantragte nun, dass die Verwaltung alle Möglichkeiten ausschöpfen solle, um noch mehr Spielotheken in Untertürkheim zu unterbinden.
Als Gründe führt sie denkmalpflegerische Belange und die Sicherheit des Schulwegs an.
Ein möglicherweise von Spielotheken gesäumter Schulweg macht auch dem Industrie-, Handels- und Gewerbeverein Untertürkheim (IHGV) große Sorgen. In einem Brief an Oberbürgermeister Wolfgang Schuster führt der IHGV an, dass unzählige Schüler täglich den Bahnhof nutzen, da Untertürkheim ein Schulzentrum für die Neckarvororte ist. Nicht zuletzt sei der Bahnhof ja auch "ein Eingangstor zu Stuttgarts Aushängeschild, der Daimler AG", so der IHGV. Der Verein führt aus, aktuelle Entwicklungen in Untertürkheim, dem "Vorort mit prämiertem Weinbau und attraktiven Ausflugszielen", seien seit einiger Zeit nicht gerade vorteilhaft: "Die Bürger identifizieren sich nicht mehr mit "ihrem" Untertürkheim." Sie bitten Schuster dringend, gegen zu steuern und machen dazu Vorschläge, wie keine weiteren Nutzungseinrichtungen für Spielhallen und Vergnügungseinrichtungen und Anhebung der Vergnügungssteuer.
Wenn der oder die Antragsteller für die zusätzlichen drei Spielhallen im ehemaligen Postwohnheim (das immer noch der Post gehört) keine Rechtsmittel einlegen, wäre zumindest an dieser Stelle die Gefahr zunächst gebannt. Seit 18 Jahren nutzt die Familie Ates das Gebäude für einen Supermarkt und ein Sportcafé. Ali Ates betont, er habe keinen Antrag auf Spielhallen gestellt: "Wir haben noch einen Pachtvertrag bis Ende 2011. Von Spielhallen weiß ich nichts." Bodo Köhl vom Baurechtsamt erklärt: "Jeder kann die Einrichtung für eine Spielhalle betragen, auch wenn ihm das Gebäude nicht gehört. Nur wenn wir vom Besitzer erfahren, dass er niemals Spielhallen zulassen würde, können wir die Akte sofort schließen." Vielleicht also haben potentielle Käufer den Antrag auf Spielhallen nur gestellt, um zu prüfen, ob ein Kauf sich lohnen würde. Die Untertürkheimer dürfen nun hoffen, dass zumindest diese Kaufinteressenten sich zurückziehen. Die Anträge, im eigentlichen Bahnhof, die sich dort befindlichen Spielhallen umzubauen, ist noch nicht endgültig entschieden.