"Beim Schuheputzen kommt man sich irgendwie blöd vor"
Siebtklässler erleben, wie sich Straßenkinder fühlen
Unvorstellbar - die Vorstellung, auf die Straße gehen zu müssen, um überleben zu können. Doch der Hunger treibt Straßenkinder meistens an. Schüler des Wilhelms-Gymnasiums haben genau das in harmloserer Form durchlebt. Sie waren für eineinhalb Stunden auf der Epplestraße unterwegs und haben Passanten diverse Dienste für Geld angeboten.
Von den Leuten ignoriert zu werden, das ist das Schlimmste an der Sache. Diese Erkenntnis ziehen fast alle Schüler der 7a und 7b des Wilhelms-Gymnasiums. "Ich finde es unfair, wenn jemand einfach an uns vorbeiläuft, denn derjenige könnte uns wenigstens anhören", sagt die Zwölfjährige Janika. Sie hat zusammen mit Mitschülerin Franziska den Passanten angeboten, ihnen ihre Schuhe zu putzen. "Leider lief das nicht so gut", berichtet Franziska. Deshalb hat eine Mutter einen Rucksack voll mit Schuhen mitgebracht, die die Mädchen geputzt haben. "Um Spenden zu bitten, ist für mich keine Überwindung, aber beim Schuhe putzen kommt man sich irgendwie blöd vor", ergänzt die 13-Jährige.
Pech hatten sie auch ein wenig, weil viele Leute bei der Hitze Sandalen anhatten. Nichtsdestotrotz haben einige einfach nur so gespendet - so wie Volker Ruta. Er hat den "Schuhputzern" und den "Scheibenwischern" zehn Euro in die Kasse eingeworfen. "Ich finde die Idee absolut super, dass sich die Schüler nicht einfach mit einer Spendenbüchse in der Hand hinstellen, sondern auch Dienste anbieten", sagt er. Er wäre dafür, das andere Schulen dies nachmachen.
Neben dem Putzen von Autoscheiben und Schuhen haben die einzelnen Gruppen an den Stationen Dosenwerfen und Kuchen angeboten.
Julian, Steffen und Tim haben am Kuchenverkaufsstand ihre Muffins, den Hefezopf und den selbstgebackene Kuchen fast restlos an den Mann bringen können. "Ich konnte mir vorher nicht so wirklich vorstellen, was es heißt, auf der Straße, etwas anbieten zu müssen", sagt Julian. "Manche interessieren sich für unser Projekt, aber viele sagen auch nichts und laufen nur vorbei. Da fühlt man sich nicht beachtet."
Die Idee zum Schulprojekt hatten die beiden Religionslehrerinnen Gabriele Ehrmann und Ursula Poser. Ein DiMOE-Pfarrer (Dienst für Mission, Ökumene und Entwicklung der evangelischen Landeskirche) habe von seinen Erlebnissen in Brasilien berichtet. "Daraufhin wollten wir erleben, wie es Straßenkindern geht und gleichzeitig etwas tun", sagt Ehrmann. Die gesammelten Spenden von 381,66 Euro gehen an "Brot für die Welt", die damit Straßenkinderprojekte in Brasilien und Südafrika unterstützen.
29.07.2010 - aktualisiert: 29.07.2010 10:41 Uhr