Wenig Dialog, viel Emotion
Auch die Informationsveranstaltung zu Stuttgart 21 im Bezirksbeirat Stuttgart-Ost hat gezeigt: Die Stimmung zwischen den Stuttgart-21-Gegnern und den Vertretern des Bahnprojekts ist mehr als angespannt. Schon gleich zu Beginn wird Wolfgang Drexler von einem SÖS-Bezirksbeirat als "Vertreter eines Großkonzerns" begrüßt. Drexler quittiert dies mit einem sehr verärgerten: "Das ist eine Unverschämtheit". Drexler wiederum rattert technische Daten zum Bahnprojekt, die den Stadtbezirk betreffen, vom Blatt ab, kaum bemüht, es in eigene Worte zu fassen. Da machen so einige im Bürgersaal Gesichter wie Zitronen. Die Bezirksbeiräte haben zum Zeitpunkt der Sitzung zu diesem Tagesordnungspunkt noch keine Unterlagen vorliegen. Das wirft Fragen bezüglich der Dialogbereitschaft von Seiten der Vertreter des Bahnprojekts auf. Manche S-21-Gegner machen ihrem Unmut laut Luft und vergreifen sich im Ton. Die Bürgerbeauftragte Alice Kaiser zeigt sich für Fragen der Bürger offen. Aber aus dem Publikum poltert ein unhöfliches "Telefonnummer!" nach vorne. Ein Großteil der Besucher hat sich, was das Bahnprojekt betrifft, innerlich schon längst festgelegt. Da scheint wenig Offenheit vorhanden, dem Projekt auch Vorteile abzugewinnen. Drexler ist über technisches Unverständnis und falsche Unterstellungen erbost und im Disput ein engagierter Verfechter des Bahnprojekts. Doch auch er wird rüde im Ton. Der Bürgersaal wird zur Plattform der S-21-Gegner. Sie scheinen an diesem Abend in der Mehrzahl. Wo sind eigentlich die Bürger, die hinter S 21 stehen ? Sie meiden diese Art von Informationsveranstaltungen wohl. Melanie Axter
29.07.2010 - aktualisiert: 29.07.2010 07:00 Uhr