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Keine Hirngespinste - Tatsachen


15-jährige Luftwaffenhelfer erzählen von Kriegseindrücken - Neue Dokumentation
 

Im Alter von 15 Jahren lernten sich Herrmann Queck, der heute in Gerlingen lebt, und Werner Funke als Luftwaffenhelfer in Stuttgart-Feuerbach kennen. Mit 75 Jahren trafen sie wieder zusammen. Ihre Erinnerungen an die Geschehnisse haben sie nun gemeinsam mit anderen Zeitzeugen in der von Herrmann Queck herausgegebenen Dokumentation "Noch einmal davongekommen" verarbeitet.
 

GERLINGEN

STW: "Noch einmal davongekommen" ist nicht die erste Dokumentation, die Sie über den Kriegseinsatz von Luftwaffenhelfern herausgegeben haben. Es ist der dritte Band einer Reihe. Was hat Sie dazu bewegt, die Bücher zu veröffentlichen?

Hermann Queck: Ich selbst war auch ein Luftwaffenhelfer und kam im Januar 1944 mit 15 Jahren zur Flak in Stuttgart-Feuerbach. Dadurch war ich mittendrin im Kriegsgeschehen. Mein Ehrgeiz eine solche Dokumentation zusammenzustellen wurde geweckt, als ich hörte, dass in einigen Städte Bücher zu diesem Thema erschienen sind. Ich wollte das für Stuttgart-Feuerbach machen und gab 2008 "Das bisschen’ Angriff" heraus. Auf diese Veröffentlichung hin erhielt ich eine Flut von Artikeln mit persönlichen Erlebnissen. Deshalb habe ich ein Jahr später "Jugend an der Front. Das Kriegsgeschehen im Südwesten", eine Dokumentation über die Kriegsereignisse von 1943 bis 1945 in Südwestdeutschland aus der Sicht der 15- bis 17-Jährigen Luftwaffenhelfer, herausgegeben. Und es trafen wieder neue Artikel von Zeitzeugen bei mir ein. Um ihnen gerecht zu werden, habe ich den Band überarbeitet und erweitert und nun ist "Noch einmal davongekommen" auf dem Markt.

STW: Wie sind Sie an die vielen Fotos gekommen?

Hermann Queck: Grundsätzlich war es verboten zu fotografieren. Es durften keine Kriegsbilder gemacht werden. Dennoch haben viele Luftwaffenhelfer, wie auch Werner Funke, Fotos gemacht. Die Vorgesetzten haben weggeschaut und wir Jugendlichen haben uns untereinander ausgetauscht und Alben angelegt. Auf diese Weise habe ich über 1000 Bilder zusammengekriegt.

STW: An wen richtet sich das Buch?

Hermann Queck: Zunächst an die ehemaligen Luftwaffenhelfer und ihre Familien. Oft wird das Buch an die Kinder und Enkel verschenkt. Aber auch die Archive sind daran interessiert. Wir möchten zudem erreichen, dass jede Schule, die damals Schüler zur Verfügung stellen musste, ein Exemplar in ihrer Bibliothek aufnimmt.

Werner Funke: Es richtet sich außerdem an die Öffentlichkeit. Es gibt nicht mehr so viele Zeitzeugen, die von den damaligen Umständen erzählen können. Die Generationen, die nicht aus der Zeit kommen wie wir, sind sich nicht richtig bewusst, was Krieg bedeutet. Dabei können die persönlichen Berichte helfen. Schließlich sind diese Dokumentationen keine Hirngespinste, sondern Tatsachen.

STW: Was ist Ihnen von dieser Zeit besonders in Erinnerung geblieben?

Hermann Queck: Am dramatischsten waren die Luftangriffe und das Erlebnis, wenn Bomben in der Nähe einschlugen.

Werner Funke: Die Zeit hatte damals auch menschliche Züge. Es fanden Begegnungen von Menschen mit Menschen statt. Das hatte aber nichts mit der Politik oder dem Nationalsozialismus zu tun.

STW: Fiel Ihnen die Arbeit an den Dokumentationen und damit die erneute Auseinandersetzung mit dem Vergangenen schwer?

Hermann Queck: Durch die persönlichen Erfahrungen, die da mit drin hängen, war es nicht einfach. Ich hatte einige schlaflose Nächte und entsprechende Träume, nachdem ich von noch schlimmeren Sachen gelesen habe, als die, die ich erlebt hatte. Trotzdem hat mir die Arbeit Riesenspaß gemacht.

Werner Funke: Ich habe die Geschichte von damals nicht verdrängt. Aber danach sind andere wichtige Dinge passiert, so dass eine Art Vergessen eintrat. Die Beschäftigung mit dem Buch hat mir wieder bewusst gemacht, wie es damals war.

STW: Ist ein weiteres Buch in Planung?

Hermann Queck: Nein, mit "Noch einmal davon gekommen" ist die Reihe abgeschlossen, obwohl sich immer noch Zeitzeugen melden. Es ist zu viel liegen geblieben, um dass ich mich kümmern möchte, unter anderem will ich die alten Dias und Aufzeichnungen für meine Kinder aufbereiten.


azu

29.07.2010 - aktualisiert: 29.07.2010 10:49 Uhr

 






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