
Winterschlussverkauf
"Besser er sammelt Briefmarken als Frauen"
Philatelisten stellen ihre tierischen Sammlungen im Augustinum aus
Seeleoparden, Schwertwale, Elefanten, Pandas, Krills und diverse Fischarten können Besucher im Augustinum nun von ganz nah betrachten. Eine Ausstellung in der Galerie zeigt im Rahmen des Jahresthemas "Artgenossen" all diese Tiere im Briefmarken-Format. Doch worin liegt eigentlich der Reiz am Sammeln?
"In den schönen, bunten Bildchen, würde meine Frau sagen", grinst Siegfried Zimmerer, Vorsitzender des Briefmarkensammler-Vereins Schwaben, der die Ausstellung im Seniorenwohnstift organisiert hat. "Aber besser er sammelt das, als Frauen", ergänzt seine Ehefrau Ilse schelmisch. Etwas ernsthafter meint er dann: "Es ist das Haben-Wollen bestimmter Objekte, die in eine Sammlung passen, und es sind die Geschichten, die hinter den Belegen stecken."
Ein Beleg ist in Philatelisten-Sprache ein vollständiges Sammler-Objekt, zu dem ein gelaufener Brief oder eine Postkarte mit Briefmarke und Poststempel gehört. "Ich kann also sehen, wer, wann, an wen und wohin jemand einen Brief geschickt hat", erklärt Zimmerer. "Manchmal stehen auch Kommentare darauf." So sage die nackte Briefmarke an sich gar nichts aus, erst als Beleg sei sie für den Sammler interessant.
Seine beiden Enkel, von denen der jüngere auch im Augustinum ausstellt, hat Zimmerer vor etwa eineinhalb Jahren mit dem Sammelvirus angesteckt. Im Januar sind der achtjährige Tobias und der elfjährige David auch in den Verein eingetreten. Da von den zehn ausgestellten Sammlungen eine Ausstellerin ihre nicht rechtzeitig gebracht hatte, prangen nun Tobias" Vogel-Briefmarken in drei der Rahmen in der Galerie. "Mein Thema sind Tiere", sagt der Achtjährige. Sein Bruder hat sich auf Olympia spezialisiert. "Ein Sammler muss sich ein Thema aussuchen", sagt der Opa. "Denn sonst kann man die Sachen ja nicht ordnen."
Hinter dem Sammeln steckt laut Zimmerer auch ein großer Wissenszuwachs. "Ob Tiere, Politik, Staaten oder Sport - egal, was man sammelt, man muss sich unweigerlich mit dem Hintergrund beschäftigen." So verbringen die drei Zimmerers manchmal stundenlang die Zeit zusammen mit recherchieren, sortieren und einordnen. Dann geistert David oft nur eines im Kopf umher: "Endlich fertig werden!" Doch das wird er wohl nie. "Eine Sammlung ist nie komplett", sagt der Opa, der die Zahl seiner Exemplare nicht beziffern kann, doch sie gehe in die tausende. Vor 35 Jahren hat alles angefangen, mit den Briefmarken der SOS-Kinderdörfer. "Diese sammele ich immer noch. Sie sind für mich persönlich die wertvollsten, weil sie einen sozialen Aspekt haben." Als Sammler müsse man auch realistisch bleiben. Als Kapitalanlage kann man Briefmarken heutzutage nicht mehr sammeln. Es sei nur ein leidenschaftliches, Zeit intensives Hobby.
Die Sammlungen der Ausstellung "Tiere auf Briefmarken" sind noch bis zum 24. August in der Galerie des Augustinums ausgestellt.
lil
29.07.2010 - aktualisiert: 29.07.2010 10:39 Uhr
Stuttgart | Stadtteile | Filder | Gerlingen
Stellen | Immo | Auto | Reise | Anzeige Buchen
