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Tölpel, wechsel dich!

Von der "Mauser-Mode" junger Basstölpel - "Hocketse" auf Haufen von Ästen und Gras
 

In der einzigen Basstölpel-Brutkolonie im Binnenland in der Wilhelma gibt es auch im Jahr 2010 wieder Nachwuchs: zwei kleine Tölpel schälten sich aus ihren Eiern. Kaum zu glauben, dass aus den anfangs eher "hässlichen Entlein" einmal die schönen, weißen Vögel mit den markanten Augenmasken werden sollen! Aber was bei Schwänen klappt, klappt bei Tölpeln allemal. Die wundersame Verwandlung dauert nur seine Zeit. Nämlich ganze vier Jahre.

Junge Tölpel sehen eigentlich ständig anders aus: Insgesamt ändern sie drei Mal ihr "Outfit". Als Mitte Mai das erste Tölpel-Küken schlüpfte, war es noch fast nackt und schwarzhäutig. Ab der dritten Lebenswoche wuchs ihm dann ein weißer, flaumiger "Kapuzenpullover", aus dem vorne ein schwarzes Vogelgesicht und ein schwarzer Schnabel lugten. Während das im Juni geborene, zweite Küken immer noch so aussieht, zieht sich das Mai-Küken bereits zum zweiten Mal um.

Denn die Tölpeljugend trägt ab dem Alter von rund drei Monaten Dunkelbraun mit weißen Tupfen, um sich dann vom ersten bis zum vierten Lebensjahr allmählich zu einem blütenweißen Basstölpel zu mausern. Das fertig ausgebildete Jugendkleid und die Übergangsstadien zum Erwachsenengefieder können Besucher der Wilhelma ebenfalls bewundern: beim Nachwuchs der Vorjahre. Und das schneeweiße Endergebnis beim Rest der nunmehr 16-köpfigen Kolonie, deren erste Vertreter 1970 als Ölopfer in Stuttgart strandeten. Obwohl der Wilhelma-Tölpeltrupp im Vergleich zu den oft über 100.000 Paare umfassenden Freilandkolonien winzig ist, reicht diese Größe offenbar, damit die zu den Ruderfüßern gehörenden Seevögel auch im einzigen Binnenland-Brutgebiet in Brutstimmung kommen.

In der Natur bauen die größten und schwersten Vertreter der Tölpelfamilie ihre Nester auf Felsinseln vor den Küsten - und das seit 1991 als einzige Tölpelart Europas auch auf Helgoland.

Die Küken sind ausgesprochene Nesthocker und lassen sich im "Hotel Mama" monatelang mit schönen fetten Heringen und Makrelen verwöhnen, die ihre Eltern bei rund 100 Stundenkilometer schnellen Sturzflügen ins Meer im Stoßtauchgang erbeuten. Auch in der Wilhelma hocken die Nesthocker meist gemütlich auf dem unordentlichen Haufen aus Ästen, Schilfhalmen und Gras, den Basstölpel so als Nest bezeichnen, und warten, dass die Eltern ihnen vorverdauten Fisch servieren.

Na, dann guten Appetit!


29.07.2010 - aktualisiert: 29.07.2010 07:01 Uhr

 






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