
Winterschlussverkauf
Von Friseuren, Zeitreisen und unerforschter Biotechnik
Fünf gute Buchtipps für den Urlaub - Heute: Bücher für Jugendliche (Teil 2)
In diesem Sommer stellt das Wochenblatt in Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei Ostfildern in einer dreiteiligen Serie gute Bücher für den Sommerurlaub vor. Heute sind Bücher für Jugendliche ab zwölf Jahren an der Reihe, vorgestellt von Diplom-Bibliothekarin Sarah Kugel.
"Als erstes Buch habe ich mir Über kurz oder lang von Marie-Aude Murail ausgesucht", erzählt Sarah Kugel. In dem Buch geht es um den 14-jährigen Louis, der ein Praktikum in einem Friseursalon macht. Danach will er Friseur werden und zwar gegen den Widerstand seines auf Konventionen bedachten Vaters. "Jugendliche haben manchmal andere Vorstellungen als ihre Eltern, auch in der Berufswahl. Ich empfehle das Buch, weil es dazu anregt, vom Schubladendenken wegzukommen und Vorurteile abzulegen." Das nächste Buch auf ihrer Liste ist "Saphirblau" von Kerstin Gier: Gideon und Gwendolyn sind Zeitreisende und über beide Ohren ineinander verliebt. Doch sie müssen um ihre Liebe kämpfen, als sie ein weiteres Mal in die Gewalt des Grafen von St. Germain geraten. "Es ist ein Buch über die Liebe, Zeit und Geheimnisse, von dem sich wahrscheinlich hauptsächlich Mädchen in eine fantastische Welt entführen lassen", vermutet Sarah Kugel. "Besonders die Sprünge zwischen den Zeiten, die den beiden Protagonisten durch eine Zeitmaschine ermöglicht werden, und die sich daraus ergebenden Spannungsfelder machen den besonderen Reiz aus."
Als dritte Empfehlung hat sie sich "Zweiunddieselbe" von Mary E. Pearson ausgesucht. Es spielt in Kalifornien, irgendwann in der Zukunft: Jenna ist schwer verletzt und liegt im Sterben. Um ihre Tochter zu retten, wollen die Eltern unerforschte Biotechnik einsetzen. "Die Gentechnologie ist ein aktuelles Thema und Pearson erzählt hier einfühlsam eine ungeheuerliche Zukunftsvision.
Es werden ethisch-moralische Fragen aufgeworfen, die den Leser zur Auseinandersetzung mit dem Thema herausfordern."
Der vierte Titel ist "Einmal" von Morris Gleitzmann. Der neunjährige jüdische Junge Felix lebt 1942 in Polen. Er erzählt von der Sehnsucht nach seinen Eltern, von seiner Flucht aus dem Waisenhaus und der Angst vor den Nazis, aber auch von Freundschaft, Fürsorge und mutigem Verhalten. "Hier geht es um ein Thema, das nie in Vergessenheit geraten darf", sagt die Fachfrau. "Das Buch beschreibt, wie das Menschliche zerbricht und lässt uns mitfiebern mit dem jungen Felix.
Es wird eindringlich und unpathetisch erzählt." Als letzten Buchtipp hat sich Sarah Kugel "Rottkäppchen muss weinen" von Beate Teresa Hanika ausgesucht. Die 13-jährige Malvina wird von ihrem Großvater sexuell missbraucht.
In ihrer Familie stößt sie auf vollkommenes Unverständnis. Sie droht, an ihrer Scham und Verzweiflung zu ersticken. "Leider wird sexueller Missbrauch wohl immer ein Thema sein. In dem vorliegenden Buch ist es besonders tragisch, da Malvina von ihrem eigenen Großvater missbraucht wird. Das sie von ihrer Familie nicht ernst genommen wird und die Probleme mit sich selbst ausmachen muss, verschlimmert den Fall noch."
19.08.2010 - aktualisiert: 19.08.2010 13:02 Uhr