Drucken

"Man wird fürsorglicher"


Freiwilliges Soziales Jahr: anderen helfen und sich weiterentwickeln
 

Nach der Schule haben junge Menschen zwischen 16 und 27 Jahren die Gelegenheit, ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) zu absolvieren. Es dient der beruflichen Orientierung und führt oft dazu, dass der FSJler sich im Anschluss für einen Beruf im sozialen Bereich entscheidet. Und wenn nicht, hat man ein Jahr lang viel Gutes geleistet.
 

FASANENHOF

Maria Arnold ist 96 Jahre alt. Seit 2003 lebt sie im Seniorenzentrum Fasanenhof und hat sich ihr Zimmer sehr persönlich mit vielen privaten Gegenständen eingerichtet. "Ich habe Schmerzen auf der ganzen rechten Seite und kann nicht mehr so gut laufen", erzählt sie. "Aber sonst geht es mir ganz gut." Philipp Giesel kommt in ihr Zimmer und hilft Maria Arnold in ihre Jacke. Man sieht, dass er schon viel Übung darin hat. Vorsichtig stützend setzt er die Seniorin in ihren Rollstuhl und fährt sie nach draußen in den Garten. Der 18-Jährige begann im Herbst vorigen Jahres sein Freiwilliges Soziales Jahr im Seniorenzentrum Fasanenhof.

"Eigentlich wollte ich ja zunächst eine Lehre als Industriemechaniker machen", erzählt Philipp Giesel, "aber dann kam doch alles ganz anders. Das Soziale liegt bei uns in der Familie. Meine Schwester hat auch ein FSJ gemacht, meine Mutter ist Sozialpädagogin und mein Vater ist Krankenpfleger, genauso wie mein Cousin und meine Cousine."

Er habe schnell gemerkt, dass die Arbeit im sozialen Bereich ihm liege und beginne ab Oktober nun auch im Krankenhaus in Bietigheim eine Ausbildung als Krankenpfleger. "Ich schätze, ich habe die Pflege im Blut", sagt er und lächelt, "es ist meine Stärke, das hat mir das Jahr hier sehr deutlich gezeigt." Branka Sabo ist die Pflegedienstleitung im Seniorenzentrum Fasanenhof. "Die Erfahrung zeigt uns, dass mindestens einer unserer FSJler im Anschluss eine Ausbildung zum Altenpfleger macht oder anderweitig im sozialen Bereich bleibt", berichtet sie. Das FSJ sei eine tolle Gelegenheit, herauszufinden, was einem liege.

Außerdem sei die Arbeitskraft eines FSJlers auch für die Einrichtungen sehr wichtig. "Die FSJler arbeiten voll mit und versorgen die Bewohner grundpflegerisch. Dazu besuchen sie über das Jahr verteilt mehrere Seminare, um sich fortzubilden." Zu Beginn sei es eine ganz schöne Umstellung gewesen, berichtet Philipp Giesel.

"Man ist auf einmal verantwortlich für jemanden. Aber das gibt auch schnell mehr Selbstvertrauen und man wird fürsorglicher." Teilweise entstünden zwischen FSJler und Bewohner sogar enge Beziehungen so wie zwischen Enkelkindern und Großeltern, erzählt Branka Sabo.

Philipps Freunde seien zunächst etwas verwundert gewesen, als er das FSJ begann, berichtet er. Doch recht schnell habe sich die Einstellung geändert. "Ich habe gesagt, was wäre, wenn Dein Opa hier im Altenheim wäre?" Branka Sabo fügt hinzu: "Ich sage immer: Man muss so pflegen, wie man selbst gerne gepflegt werden möchte. Und dafür bekommt man dann das schöne Gefühl: Ich tu’ was Gutes."


res

26.08.2010 - aktualisiert: 26.08.2010 13:32 Uhr

 






nach oben